Traumberuf Musiker?!

„Musik ist Lebenslust“ – das sagen Olga und Marino, die als „Olga Show“ in der Fußgängerzone und auf Bühnen in München und der ganzen Welt auftreten. Doch wie haben die Musiker den Sprung von der Straße in den Konzertsaal überhaupt geschafft?

Von Melanie Gugggenberger

 

Konzentriert streicht die Violinistin in der Münchner Fußgängerzone mit dem Bogen über die Saiten. Immer wieder dreht sie an den kleinen Rädchen, bis alle vier Saiten gestimmt sind. Mit einem Nicken, das mehr ihr selbst gilt, holt die Musikerin, die ihre dunkelblonden Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden hat, aus und stimmt ein dramatisches und zugleich fröhliches Stück aus der Klassik an. Ihr zierlicher Körper folgt der Melodie, als würde die Musik ihn wie einen Strom leiten. Ihr Kopf bewegt sich dabei ruckartig. An melancholischen und dramatischen Stellen zieht die Geigerin mit der rosafarbenen Bluse ihre Augenbrauen nach oben, sodass sich kleine Falten auf ihrer Stirn bilden. Bei fröhlichen Passagen formen sich ihre rot geschminkten Lippen zu einem Lächeln. Ihre dunkelbraunen Augen strahlen vor Freude und Wärme. Das Kinn schmiegt sich auf die Ablage der Geige und die Finger der linken Hand gleiten über die Saiten, als wäre sie mit dem Instrument verschmolzen.

„Olga Show“: Aus einem Traum wird Wirklichkeit 

Der Name der hübschen Münchner Violinistin mit russischen Wurzeln ist Olga Kholodnaya. Die 31-Jährige spielt Violine seit sie fünf war. Mit zwölf Jahren hat sie ein Jungstudium am Richard-Strauss-Konservatorium in München begonnen. Durch Mitstudenten sei sie zur Straßenmusik gekommen, erzählt die dreifache Mutter. „Es ging so einfach, viele Leute sind stehengeblieben.“ Mit Anfang 20 zieht Olga nach Berlin, wo sie oft am Alexanderplatz spielt. Dort lernt sie Marino Colina kennen. Die junge Musikerin verliebt sich nicht nur in seine Künste als Schlagzeuger, sondern auch in den Argentinier selbst. Seitdem sind die beiden zusammen als „Violin &Drums“, besser gesagt als „Olga Show“ auf der Straße unterwegs. Nach Stationen in Paris und Marinos Heimatstadt Buenos Aires ist das Paar vor einem Jahr nach München gezogen. „Für die Kinder ist es hier sicherer“, sagt der 37-Jährige mit den schwarzen Locken. Marino machte sein Hobby erst zum Beruf, als er Olga getroffen hatte. „Ich hatte mein Leben mit 29 schon komplett geplant. Ich hatte eine Wohnung und habe als Wirtschaftsingenieur gearbeitet“, erzählt er. „Ich habe mich gefragt, ob ich verrückt bin, wenn ich jetzt Musiker werden will.“ Es sei immer sein Traum gewesen, doch ihm war auch klar, dass es sehr schwer sein kann, allein von der Musik zu leben. Dennoch hat er den Schritt gewagt – dank Olga. Heute schaut der Lockenkopf, der seit 20 Jahren Schlagzeug spielt, mit seiner offenen und lockeren Art zurück und sagt: „Es hat sich gelohnt.“

„Violin & Drums“ – Eine besondere Mischung 

Auf der Straße dürfen Olga Kholodnaya und Marino Colina in München nicht mehr zusammen spielen. Hier ist es verboten, mit dem Schlagzeug in der Fußgängerzone aufzutreten. „Das vermissen wir schon“, bedauert der Drummer, der am Juan-Jose-Castro-Konservatorium in Buenos Aires ein Klavierstudium absolviert hat. Doch das „Violin & Drums“-Duo lässt sich nicht unterkriegen. Die beiden spielen längst auf größeren Bühnen. Sie treten regelmäßig bei Events auf und veranstalten eigene Konzerte. Sogar in der Berliner Philharmonie hat „Olga Show“ schon gespielt. Als nächstes steht im Juli ein Auftritt im Schlachthof in München an. „Musik ist Lebenslust“, schwärmt Marino, während seine großen braunen Augen leuchten. „Wir wollen unseren Zuhörern Mut, Kraft und Energie schenken“, fügt die Violinistin hinzu. „Wir möchten, dass sie an Überraschungen und an sich selbst glauben, Neues wagen und friedvoll miteinander umgehen.“ Außerdem arbeiten Olga und Marino gerade an ihrem dritten Album. Die ersten beiden Alben „Night in Istanbul“ und „Save the Street Musicians“ haben sich gut verkauft. Ihre drei Kinder im Alter von fünf und vier Jahren sowie neun Monaten kommen dabei nicht zu kurz. Sie inspirieren und motivieren das Paar. Was „Olga Show“ ausmacht? Die Dualität von Violine und Schlagzeug. „Violin & Drums, das wollte ich schon immer“, sagt die Geigerin. Außerdem ist dem Duo eine Mischung aus Tradition und Moderne wichtig. „Wir spielen hauptsächlich klassische Stücke. Doch gerade mit den Stimmen für das Schlagzeug passen wir die Lieder an die Zeit an.“ Die Violinistin und der Drummer leben und lieben ihren Beruf. Nicht bei allen Musikern funktioniert das auf Anhieb.

Traumberuf Musiker – Ein langer Weg

Musiker Holger Bläß erzählt im Video, wie er es geschafft hat, seine Karriere voranzubringen. 

Das sagen weitere Musiker …

Jana Ulbricht

Berufsmusikerin

„Wenn man sich klar darüber ist, wie die Musikbranche funktioniert, muss es nicht sein, dass man in finanzielle Schwierigkeiten gerät“

Wie kommt man in der Musikbranche voran?

„Ich denke, das ist wie in allen anderen Branchen auch, du brauchst einen starken Willen und dein Ziel vor Augen. Außerdem ist es auf jeden Fall hilfreich, wenn man die Strukturen und Zusammenhänge der Branche kennt.“

Kann man von der Musik alleine leben?

„Auf jeden Fall. Auch wenn es um Musik und Kunst geht, steht dahinter ein wirtschaftliches Konstrukt. Darüber sollte man sich bewusst sein. Deshalb ist es wichtig, dass man sich als Musiker auch mit den wirtschaftlichen Themen auseinandersetzt, auch wenn das an manchen Stellen trocken ist. So verschafft man sich eine gute Verhandlungsposition.“

Wie schafft man es an seinen Traum zu glauben?

„Wenn der eigene Traum größer ist, muss man auch mal eine kleine Durststrecke überstehen können.“

Tim McMillan

 Australischer Berufsmusiker

„Selbst ein kleines Einkommen kann sehr befriedigend sein, wenn man mit etwas arbeitet, das man liebt!“

Wie kommt man in der Musikbranche voran?

„Ursprünglich arbeitete ich als Musiklehrer an der High School in Australien und gab Konzerte am Wochenende. 2010 hatte ich die Möglichkeit, mit dem Berliner Label t3 records ganztägig auf Tour zu gehen. Außerdem habe ich die Gelegenheit bekommen, an einem „Artist in Residence“ – Förder-Programm in Dachau teilzunehmen.“

Kann man von der Musik alleine leben?

„In meinen ersten Jahren als Musiker verdiente ich einen kleinen Teil von dem, was ich in meiner Vollzeitbeschäftigung zu Hause gemacht hatte, aber meine Lebensqualität und mein seelisches Wohlbefinden waren viel höher, als ich mich ausschließlich auf das Musizieren konzentrierte. Geldmangel war für mich kein so starker Faktor.“

Wie schafft man es an seinen Traum zu glauben?

„Es war mein Traum, Musik als Vollzeitjob zu machen, aber in Australien fiel es mir schwer, Konzerte in kurzer Entfernung zu organisieren und ich musste die Auftritte mit einer anderen Einnahmequelle unterstützen. Ich arbeitete 5 Jahre lang als Musiklehrer an der High School, bevor ich mich entschied, mich außerhalb Europas niederzulassen und dort Konzerte zu geben. Das Dachauer „Artist-in-Residence“-Programm war ein guter Anfang, diesen Traum zu verwirklichen. Seit 2011 arbeite ich hauptberuflich als darstellender Musiker.“

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