Wie gefährlich sind künstliche Süßstoffe?

Das Milliardengeschäft mit Aspartam, Sucralose und Co.

Welche Süßstoffe sind harmlos, welche gefährlich?

Von Yannik Ströbel

Wie gefährlich sind künstliche Süßstoffe?

Das Milliardengeschäft mit Aspartam, Sucralose und Co.

Welche Süßstoffe sind harmlos, welche gefährlich?

Von Yannik Ströbel

Die Debatte über künstliche Süßstoffe war nie so groß wie dieser Tage. Süßstoffe werden oft als gesundheitsgefährlich verschrien. Die Angstmacherei reicht von Kopfschmerzen bis Krebs. Was wirklich hinter Aspartam und den anderen steckt.

Schon im antiken Rom wusste man von der Süßkraft anderer Stoffe als dem herkömmlichen Zucker. Wo Zucker und Honig noch selten und teuer waren, wurde man kreativ und nutzte zum Beispiel Defrutum, unvergorenen, eingekochten Traubenmost.

Schon im antiken Rom wusste man von der Süßkraft anderer Stoffe. Wo Zucker und Honig noch selten und teuer waren, wurde man kreativ und nutzte zum Beispiel Defrutum, unvergorenen, eingekochten Traubenmost.

Heutzutage ist Zucker aufgrund der industriellen Produktion in Unmengen vorhanden und der billigste Süßmacher der Welt. Der durchschnittliche Deutsche isst 29 Stück Würfelzucker am Tag, die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 8 ½Die Folge: Fettleibigkeit, Diabetes, Herzinfarkte.

Sind Süßstoffe – eine gesündere Alternative?

Die Süßstoffe, die wir heute zuhauf in unseren Lebensmitteln finden, wurden größtenteils im 19. und 20. Jahrhundert synthetisiert. Aber ist synthetisch grundsätzlich schlecht?

Die Bezeichnung „künstlich“ alleine sorgt für negative Assoziationen. „Künstlich“ gilt es im Supermarktregal grundsätzlich zu vermeiden. Die Informationen zu diesen Süßstoffen sind aber vielfach unklar. So gibt es nicht nur einen künstlichen Süßstoff, sondern dutzende. Der am weitesten verbreitete ist das Aspartam.

Aspartam

Aufgrund der Kritik an diesem Stoff kennen ihn viele.Sein Image:stark negativ. Wer jemals eine Diät-Cola getrunken hat, der hat auch Aspartam  getrunken. Was stimmt also mit dem Süßstoff nicht?

Aspartam wird im Verdauungskreislauf in Phenylalanine, Asparaginsäure und Methanol umgewandelt. Außer bei Menschen mit einer Genstörung namens Phenylketonurie, die den Abbau von Phenylalanin verhindert, sind die ersten beiden Stoffe zum Verzehr geeignet. Beide sind Aminosäuren, die in quasi jeder Eiweißquelle enthalten sind.

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Nach mehrfacher eingehender Prüfung durch das Scientific Committee on Food (SCF), die European Food Safety Authority (EFSA) und andere Expertengremien konnten vermutete Zusammenhänge wie Kopfschmerzen oder Allergien nicht bestätigt werden.

Bundesinstitut für Risikobewertung

Wie viel Gramm Süßstoff entsprechen wie vielen Zuckerwürfeln?

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Der große böse Wolf ist der dritte Stoff: Methanol. In sehr hohen Dosen wirkt Methanol bewiesenermaßen toxisch. Denn der Stoff wird in einer sog. katalytischen Oxidation im Körper in das für Menschen giftige Formaldehyd umgewandelt. Aspartam-Gegner führen dies häufig als Grund gegen den Süßstoff an. Doch aktuelle Studien sprechen gegen eine Gefahr.

Der Grund: Das durch Aspartam-Konsum freiwerdende Methanol ist so gering, dass eine negative Wirkung nicht mehr nachweisbar ist. Tatsächlich produziert der menschliche Körper natürlicherweise ein Tausendfaches der Menge an Formaldehyd, das eine übliche Portion Aspartam, zum Beispiel in Diät-Colas, enthält.

Eine Studie ließ Teilnehmer bis zu 200mg Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen, was dem 40-fachen der normalen Menge entspricht. Selbst bei diesen absurden Mengen ließ sich keine Methanolvergiftung feststellen, noch stiegen die Formaldehyd-Level stark an.

Bleibtdas Thema Krebs. Hierzu hat die Amerikanische Krebsgesellschaft Studien bei mehr als 500.000 Erwachsenen gesichtet und kommt zu dem Schluss, dass es keine nachweisliche Verbindung zwischen Aspartam und Krebs gibt.

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Viele greifen auch zu Diät-Colas, um an Gewicht zu verlieren. Bedenklich wäre es, wenn Aspartam zu Gewichtszunahme führen würde. Denn auch diese Kritik steht im Raum. Doch dafür gibt es keine kausalen Zusammenhänge. Keine Studie konnte das nachweisen. Eine 6-monatige Studie hat sogar das Gegenteil bewiesen. Süßstoffhaltige Limonaden konnten ähnliche Erfolge wie die Umstellung auf Wasser erzielen. Auch Insulinlevel bleiben bei Aspartam unbetroffen, da dieser nicht wie Glukose in den Blutkreislauf gelangt.

Tatsächlich liegt Gewichtszunahme eher an der neuen Mentalität der Diätwilligen: Wenn ich mir die Cola spare, kann ich ja beim Essen zulegen. Der positive Effekt verschwindet dann direkt wieder.

Ein weiterer Grund zur Sorge sind oft Kopfschmerzen. Hierzu sind die Studien nicht eindeutig. Allerdings ist es grundsätzlich schwierig, Kopfschmerzen irgendetwas zuzuordnen, weil sie Symptom zahlreicher Beschwerden sind. Selbst Placebos haben teils großen Einfluss auf diese Art von Schmerz.
Studien zu Kopfschmerzen durch Aspartam zeigen oft ähnliche Korrelationen wie Placebos. Eindeutige Aussagen lassen sich hier nicht treffen.

Sucralose und Saccharin

Ähnlich sieht die Studienlage bei anderen weitverbreiteten Süßstoffen wie Sucralose aus. Die Dosis, die einen nachweisbar schädlichen Einfluss auf den menschlichen Körper haben könnte, ist in jedem Fall extrem hoch. So hoch, dass man schon sehr bewusst Dutzende Diät-Limonaden konsumieren müsste, um auch nur annähernd einen Effekt zu erzielen.

Eine Studie von 2014 mit dem Namen „Künstliche Süßstoffe verursachen Glukose-Intoleranz, indem sie unsere Darmkeime verändern“ löste weite Kritikwellen aus. Im Fokus stand der verbreitete Süßstoff Saccharin. Über 11 Wochen hinweg fanden Forscher heraus, dass Saccharin die Zusammensetzung der Darmbakterien verändere und für Glukoseintoleranz sorge. Die Studie wurde zunächst an Mäusen vorgenommen und dann sieben Tage an Menschen fortgesetzt. Jeder bekam die maximal verträgliche Menge Saccharin zugeführt – 5mg pro kg Körpergewicht.

Nach Abschluss des Versuches hatten vier der sieben Teilnehmer Magen-Darm-Probleme. Die Forscher konnten diese Magenverstimmungen jedoch mit keiner Glukose-Intoleranz verbinden. Dennoch wurde Saccharin auf dem Lebensmittelmarkt größtenteils durch Sucralose und Aspartam ersetzt.

Acesulfam-K

Bleibt ein letzter weitverbreiteter künstlicher Süßstoff: ACE-K oder auch Acesulfam-K. Dieser Süßmacher wird nur als Zusatz für die anderen Süßstoffen verwendet, um den süßen Geschmack zu verstärken. Acesulfam-K wird von unserem Körper unverarbeitet wieder ausgeschieden und nur Studien an Mäusen mit beträchtlichen Mengen ACE-K veränderten die Darmmikroben. Bei Menschen ließ sich das nicht reproduzieren.

Fazit

Das Wirrwarr im Dschungel der künstlichen Süßstoffe ist damit sicher nicht aufgelöst. Dennoch zeigen zahlreiche Studien, dass deren negativer Ruf nahezu unbegründet ist. Süßstoffe sind nährwertarme Zusatzstoffe, die wir nicht in unserem Essen brauchen. Die Intention, dass wir mit ihnen Gewicht verlieren, ist sicherlich ein Schritt in eine zuckerärmere Welt. Eine Diät-Limonade hier und da wird dem Zuckerfreund sicherlich beim Abnehmen helfen. Doch sich alleine darauf zu verlassen, um sich an anderer Stelle wieder mehr zu gönnen, ist kontraproduktiv. Das Ziel sollte auch hier eine umfassende gesündere Ernährung sein.

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