Asphalt
Surferinnen

Von Romy Lehmann

Blut, Schweiß und Tränen des Erfolgs: Selten erfordert eine Sportart so viel Mut und Überwindung wie das Skateboarding. Warum trotzdem immer mehr Frauen sogar ausgeschlagene Zähne riskieren.

Ich atme tief ein – ganz langsam wieder aus. Die Knie sind butterweich und geben nach. Mein linker Fuß steht auf dem hinteren Ende des Skateboards und versucht es zu stabilisieren. Der rechte Fuß berührt den vorderen Teil des nach oben ragenden Skateboard-Decks. Mein Gewicht ist nach hinten verlagert und mein Körper fängt an zu zittern. Mir ist schwindelig. Schlecht. Mein Herz rast. Ich habe das Gefühl, ich muss aufgeben. Es scheint, als würde mein Körper versagen, doch ich möchte es schaffen:
Den Drop-In*.

Die Jungs stehen neben der Quarterpipe und sprechen mir Mut zu – doch ich weiß, dass ich ab sofort auf mich gestellt bin.

 

Impressionen zum Lifestyle Skateboarding // Titelbild, Video-Standbild: unsplash

Ich zähle bis drei: 1 – 2 – 3 und gebe mein ganzes Gewicht auf den Vorderfuß. Zu wenig – Das Board kippt und rollt unter den Füßen weg. Ich falle mit voller Wucht auf den Boden – das Skateboard rollt noch immer langsam über den Skatepark. In Zeitlupe raffe ich mich auf, humple über den Park und sammle es ein …
Ein neuer Versuch: Ich begebe mich erneut auf Position, nehme all meinen Mut zusammen und versuche den stechenden Schmerz in der linken Hüfte vom letzten Sturz zu unterdrücken. Ich zähle wieder bis drei. Ich droppe ein – und es funktioniert. Die erste Fassungslosigkeit in meinem Gesicht wandelt sich in ein strahlendes Lächeln und der tosende Applaus, der über den Skateplatz hallt macht mich stolz. Meine Angst ist überwunden und ich fühle mich stärker als jemals zuvor. Diesen Moment werde ich garantiert nie vergessen.

*Als Drop-In bezeichnet man das Einfahren von oben in eine Quarterpipe oder Mini Ramp

 

 

Bretter, die die Welt bedeuten

Genau diese Augenblicke machen das Skateboarding so besonders: Das erste erfolgreiche Pushen, der erste Ollie oder ein Shove It, der nach vielen, verschwitzten Stunden endlich gelingt. Das Gefühl eines neu erlernten Tricks ist unbeschreiblich und die Unterstützung und Anerkennung anderer einfach überwältigend. Skateboarding ist nicht nur ein Freizeitsport, Skateboarding ist eine Haltung, ein Lebensgefühl, bei dem die unterschiedlichsten Menschen eine Passion teilen und zu einer Familie verschmelzen.

 

Das Gefühl von Freiheit, Rebellion und Selbstbestimmung

Auf dem Skateboard zu stehen ist wie Fliegen und gleichzeitig eine Art Meditation. Das Board verzeiht keinen Fehler: Du musst ganz bei dir und höchst konzentriert sein. Es fließt Blut, es tropft Schweiß und der Asphalt ist härter als gedacht. Stürzen ist kein Spaß und auch schwerwiegende Verletzungen sind nicht ausgeschlossen. Stunden lang wird ein und derselbe Trick wieder und wieder versucht, man fällt, fällt erneut – und jeder einzelne Sturz auf dieselbe Stelle schmerzt mehr und mehr. Es kommt Wut, Ärger und Verzweiflung auf und die Erschöpfung wird von Mal zu Mal größer. Aufgeben? Für einen leidenschaftlichen Skater keine Option. Doch warum sind auch immer mehr Frauen bereit, blaue Flecken, aufgeschürfte Knie oder gar ausgeschlagene Zähne zu riskieren? Das Bild von Frauen, die in der Küche besser aufgehoben sind, als auf dem Skatepark ist noch immer stark in den Köpfen verankert, doch viele weibliche Skater kämpfen für Respekt und Gleichberechtigung. Mit Erfolg: Immer mehr Frauen fassen entgegen aller Konventionen ihren Mut und das Skateboard – gewinnen Contests und holen Titel. Das steckt an! Ganze Kollektive entstehen und geben dem Skateboarding so ein neues Gesicht. Ein etwas Feminineres.

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Fotos: unsplash

3 Fragen an

Simon Schöllhorn
Geschäftsführer
SHRN Skateshop

 Foto: Alex Schiller

Würdest du sagen, Skaten wird sich in den nächsten Jahren als Trend etablieren oder ist es bereits angekommen?

Mit dem Skateboarding ist es immer ein Auf und Ab. Mal sind Skateboarder „trendy“, mal nicht. Vor allem durch die Medien spricht das Skaten immer mehr die breite Masse an. Durch große Firmen, die Skateboarden als „cool & urban“ für ihre Werbekampagnen benutzen, wissen mittlerweile mehr Leute, dass Skateboarding überhaupt existiert. Aktuell ist Skateboarding aber schon eher wieder „Trend“ würde ich sagen.

Greifen mittlerweile mehr Frauen zu Skateboards?

Auf jeden Fall. Es gibt immer mehr weibliche Kundschaft. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich einfach mehr Frauen trauen. Es gab schon früher bei uns Frauen in der Crew und weibliche Skateboard Profis. Es wird aber immer mehr. Das ist sehr schön, da Skateboarding keine Unterschiede macht zwischen Geschlecht, Alter, Religion, Herkunft, arm oder reich. Skateboarding ist für alle gleich!

Sind die Abverkäufe an Skateboards in den letzten Jahren gestiegen oder eher gesunken?

Das kann ich nur von unserem Shop sagen. Bei uns hält es sich die Waage. Mal mehr, mal weniger. Es fangen aber seit ein paar Jahren wieder deutlich mehr Kids an, Skateboard zu fahren. Der harte Kern in München ist generell nie größer oder kleiner geworden. Skateboarding war früher eine Subkultur, was es heutzutage nicht mehr ist. Heute wird es sogar als Sport angesehen und oft stark vermarktet (siehe Olympia). Es gibt heute mehr Leute, die sich ein Skateboard holen, da es gerade angesagt ist, es aber schnell wieder aufgeben, sobald sie merken, dass es nicht so leicht ist und mehr dahintersteckt. Aber es bleiben auch ein paar dabei und dann ist es ja gut. Wie gesagt, Skateboarding sollte für alle sein.

Interview

Lea Schairer
Deutsche Meisterin
2018

Mit wie viel Jahren hast du angefangen, Skateboard zu fahren?
Mit ungefähr elf Jahren. Der Anfang war holprig, deswegen kann ich es nicht ganz genau sagen.

Was ist für dich das Besondere daran?
Man braucht nicht viel: Nur ein Brett und die Straße. Es lässt jedem die Freiheit, seine eigene Kreativität auszuleben, sprich, jeder hat seinen eigenen Stil und nutzt das Board anders. Man ist also an nichts gebunden und völlig frei.

Welche Erfolge hast du im Skateboarding gefeiert?
Ich habe 2011 meinen ersten Full-Part herausgebracht. Das war ein großer Erfolg für mich. Wenn man es auf Contests bezieht, habe ich mittlerweile einige Platzierungen in den Top 7 in Europa und bin Deutsche Meisterin 2018.

Was wäre dein größter Traum in Bezug auf Skateboarding?
Noch einen ordentlichen Full-Part zu filmen, der 100% meine Art des Skatens widerspiegelt – mit Tricks, mit denen ich absolut zufrieden bin und der auch außerhalb von Deutschland Anerkennung findet.

Wie fühlt es sich an, einen Trick das erste Mal zu stehen?
Das kommt ganz darauf an, was es ist. Es gibt Tricks, an denen arbeitet man ewig und ist dann erleichtert, wenn es endlich klappt. Es gibt aber auch die Tricks, die passieren ganz plötzlich. Da ist die Freude natürlich groß. Für mich ist das Gefühl am besten, wenn man sich einen Trick für einen Spot vornimmt und den letztendlich steht.

Fotos: Ben Wessler

Support anderer tut gut und ist wichtig. Hast du auch schlechte Erfahrungen im Skatepark gemacht?
Früher vielleicht. Von Typen, die meinten Mädels hätten im Park nichts zu suchen. Aber das ist lange her und sobald man ein gewisses Niveau erreicht hat, kommt der Respekt von ganz alleine.

Welcher war der schönste Moment für dich?
Das kann ich nicht an einem Moment festmachen … Da gibt es zu viele und meistens wird einem erst im Nachhinein bewusst, wie gut ein Moment war.

Hast du einen Tipp für Girls, die auch gerne Skateboarden wollen, sich aber nicht trauen?
Einfach ausprobieren! Man kann nichts falsch machen. Gerade jetzt, wo Skaten auch bei Frauen sehr viel größer ist, findet man schneller Mädels, die zu Verbündeten werden.

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Lea Schairer in ACtion: Die deutsche meisterin 2018 lässt Skaten ganz easy aussehen – doch dahinter steckt harte arbeit

 

beim skateboarding muss man viel einstecken können bis ein trick dann doch letztendlich funktioniert

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