Bunter Beton: Das hat Münchens Graffiti-Szene heute zu bieten

Vandalismus war gestern – heute werden Sprayer  für ihre urbane Kunst bezahlt, um kahle Betonwände von öffentlichen Gebäuden aufzuwerten. München gilt als Vorreiter der bunten Wandmalerei und kann mit einigen Varianten der Street Art aufwarten. 

 

Graffiti = Kunst!

Regelmäßige Neuheiten bieten die Wände des Museums für Urban und Contemporary Art (MUCA) im Herzen von Münchens Altstadt. Verschiedene Ausstellungen, Workshops, Vorträge und Filme sollen den Menschen die kreative Wandmalerei als zeitgenössische Kunst zeigen. Aber nicht nur das Innenleben des Gebäudes ist schön – allein die Außenfassade des MUCA’s erleben die Besucher als richtigen Eyecatcher. Ein ausgeflipptes Muster hat hier in schwarzer Sprühfarbe ein renommierter Street-Art-Künstler auf der weißen Wand verewigt, das an kalligraphische Schriftzüge erinnert. Die Intention: eine Verbindung zwischen Innen- und Außenraum herzustellen.

Keyword1 Keyword2 Drei Pinguine

Fotocredit: Elisabeth Eschke

Fotocredit: Elisabeth Eschke

Ein echtes Highlight

Die Toiletten im Urban Art-Stil

Henne=  

Hahn= 

 

Loomit: „Wir schaffen Bilder, die die Sprungbretter für die Fantasie der Betrachter sind.“

Der Name Loomit (50) ist in Münchens Graffiti-Szene  bekannt. Der Street Art-Künstler ist nach über 30 Jahren Berufserfahrung immer noch sehr aktiv im Kunstgeschehen. Bereits als Kind war Loomit zeichnerisch sehr begabt: „Wenn man ein Kleinkind mit einer Packung Buntstifte und einem Blatt Papier stundenlang ruhig halten kann, muss da etwas im Busch sein.“ Sein Atelier hat er in Münchens beliebtem Werksviertel Mitte. Hier durften sich neben Loomit auch weitere renommierte Künstler auf den Container-Wänden verewigen und machen den Ort mittlerweile zu einer Touristenattraktion.

Fotocredit: Elisabeth Eschke          www.loomit.de

Ein Graffiti besteht oft aus einer außergewöhnlichen Schrift oder einem ausgeflippten Bild, was der Betrachter häufig nicht lesen oder deuten kann. Verstecken die Künstler dahinter eine Botschaft?

Ein gutes Bild bringt die Botschaft eins zu eins rüber. Aber einige Künstler wollen die Betrachter absichtlich zum Nachdenken anregen. Bei jeder Graffiti-Persönlichkeit herrschen andere Definitionen von Street Art.

Wie verläuft der Prozess von einem Auftrag bis zur bildlichen Umsetzung an der Wand?

Sehr unterschiedlich. Manche wissen genau, was sie an ihren Wänden sehen wollen und geben dem Künstler bestimmte Vorgaben. Andere haben gar keine Idee und lassen einem viel Spielraum. Es wird dann darüber verhandelt, was technisch und finanziell möglich ist. Ich arbeite sehr wenig mit elektronischen Medien: Papier – Bleistift – Buntstift. Mir ist es wichtig, dass ich den Kunden in kurzer Zeit mit wenigen Strichen überzeugen kann. Die Zeichnung muss nonverbal funktionieren.

Wie wird sich die Graffiti-Szene in München in Zukunft entwickeln?

Die Stadt hat in der Vergangenheit sehr gute Strukturen geschaffen, weshalb ich die Zukunft der Graffiti-Szene hier als sicher betrachte. Viele meiner jüngeren Kollegen arbeiten mittlerweile auch mit dem Internet. Sie erreichen dadurch sehr viel und sind gut vernetzt. Das ist heute sehr viel leichter als früher. Für mich ist es interessant, dass ich an dem Aussehen eines neuen Stadtbildes aktiv mitmachen kann.

Das verbirgt sich unter der Donnersbergerbrücke

Was einst nur aus grauem Beton bestand, ist heute ein angenehmer Platz, um bunte und leuchtende Farbspiele in Augenschein zu nehmen. Unter dem Namen „Writers Corner München“ schlossen sich vor einigen Jahren die Künstler aus Münchens Graffiti-Szene zusammen, um viele städtische Orte legal mit ihren Street Art-Bildern aufzuwerten. Zwischen 2011 und 2016 beteiligten sich insgesamt 35 renommierte Graffiti-Künstler an der Umgestaltung der Brücke.

Spraydosen wurden hier eingesetzt

Fotocredit: Elisabeth Eschke

Die Donnersbergerbrücke war ein extrem unschöner, dunkler und nachts bedrohlich wirkender Ort. Der „Writers Corner München“ sowie die Stadt wollten das ändern. Wir haben uns zusammengetan, um eine einzigartige Open Air Street Art-Galerie zu schaffen, die den Ort aufwertet und kostenlos frei zugänglich ist.“

Fotocredit: marcoreinhardt.com

 

Marco Reinhardt

Graffiti-Künstler

Fotocredit: Alexander Deeg, www.martin-arz.de

Martin Arz: „Die Kurzlebigkeit vieler großartiger Arbeiten nervte mich“

Martin Arz (55) ist Schriftsteller, Künstler und ein Experte, wenn es um Graffiti, Urban- und Street Art in München geht. In den 90er Jahren knüpfte er bereits erste Kontakte zu mehreren Graffiti-Künstlern, darunter auch Loomit: „Er war mein Ateliernachbar.“ Das Ausleben der Kunst im öffentlichen Raum bringt neben der Leidenschaft einen wichtigen, aber negativen Aspekt mit sich: die Kurzlebigkeit. Viele außergewöhnliche Wandbilder werden bereits nach kurzer Zeit entfernt oder von neuen Graffitis übermalt. Diesem Problem widmet sich der 55-Jährige seit Jahren.

Wie sind Sie darauf gekommen, speziell über „Urban Art“ in München ein 2. Buch zu schreiben?

Es geht mir um die Dokumentation von Kunst, die nur eine sehr kurze Halbwertzeit hat. Klar gehört Kurzlebigkeit zur Street Art, genau deshalb war es mir ein Anliegen, das zu dokumentieren. Warum diese Kunst? Weil es großartige Künstler mit sensationellen Arbeiten gibt! Und warum München? Weil ich hier lebe und hier die Szene beobachten kann. 

In München werden immer mehr Graffiti-Künstler für die Gestaltung von neuen Gebäudefassaden beauftragt. Wie bewerten Sie das?

Leider noch viel zu wenig. Verglichen mit anderen Städten, kann München noch gehörig nachlegen. Es gibt noch viel zu viele kahle Betonwände oder kahle Brandmauern, die man gestalten könnte. Andere Städte machen dazu Festivals (Amsterdam, Mailand, Köln). In München sollte sowas auch stattfinden.

Viele Besucher empfinden die künstlerischen Außenfassaden als Bereicherung. Was gefällt den Leuten daran?

Sie können die Kunst ohne Hemmschwelle genießen. Der Besuch eines Museums bleibt den Leuten so erspart. Oft werden die öffentlichen Kunstwerke gar nicht wahrgenommen. Ich habe oft bei meinen Führungen die Reaktion, dass Leute sagen: ,Da komme ich so häufig vorbei und ich hab noch nie richtig hingeschaut, was da an der Wand ist.‘

         Fotocredit: Hirschkäfer Verlag
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