Maxim Markow: "So einen Gefühlsausbruch kannte ich bis dahin nur vom Fußball."

League of Legends ist ein teambasiertes Computerspiel, in dem immer zwei Teams aus jeweils fünf Spielern gegeneinander antreten. Das Spiel wurde 2009 veröffentlicht. Die ersten Weltmeisterschaften fanden 2011 statt. Damals sahen nur ein paar hundert Spieler zu. Innerhalb weniger Jahre entwickelte LoL sich zu einem globalen Phänomen. E-Sport war zwar bereits existent, beschränkte sich aber größtenteils auf die koreanische Star-Craft-Szene. Bei der League of Legends-Weltmeisterschaft 2017 wurden zwischenzeitlich mehr als 80 Millionen Zuschauer gemessen. Das Finale verfolgten 57,6 Millionen Zuschauer.

Maxim Markow von Freaks 4U Gaming ist einer der bekanntesten deutschen League of Legends-Protagonisten. Als Streamer, Kommentator, YouTuber und Influencer verfolgt er sowohl die Trends innerhalb des Spiels als auch in der Community. Der 30-Jährige hat das Hobby zum Beruf gemacht – und sich dazu bereiterklärt, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Das Spiel bietet dem Spieler einfach gefühlt unendlich viele Möglichkeiten, League zu zocken.

Maxim Markow

Caster, Streamer, Influencer, Freaks 4U Gaming

Das Spiel aus der Sicht eines Kommentators

Guten Tag und herzlichen Dank, Maxim, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast. League of Legends ist ein gewaltiger Bestandteil deines Contents und deiner Tätigkeit als Kommentator. Wie bist Du an das Spiel geraten?

Maxim Markow: Zu LoL bin ich durch meinen Bruder gekommen. Denn damals haben wir noch Dota (Warcraft 3 Mod) via Hamachi Netzwerk gezockt und hatten gewaltigen Spaß an dem Spiel. Mein Bruder hat dann eines Tages LoL entdeckt und gemeint, wir sollten lieber dieses Spiel zocken. Dieses Game hat uns sofort gepackt. Wir spielen es seit knapp 8 Jahren.

Was macht für Dich den Reiz an League of Legends aus?

Maxim Markow Interview League of Legends

Maxim Markow, ESL Meisterschaft 2015

Markow: LoL bietet mehrere Vorteile bzw. es hat mehrere Stärken. Zunächst einmal ist es ein Spiel, dass sich ständig weiterentwickelt und verändert. Der aktuelle 2-Wochen-Patch-Rhythmus wirkt dabei schon etwas übertrieben, aber kein Game gleicht einem anderen. Und selbst wenn man 100 mal den gleichen Champion spielen würde, dann wären es trotzdem 100 völlig verschiedene Games. Außerdem belebt nicht nur das 5v5 den kompetitiven Charakter des Games, sondern entsprechende Items, Kombos und Strategien. Das Spiel bietet dem Spieler einfach gefühlt unendlich viele Möglichkeiten, League zu zocken. Es wird also nie langweilig.

Zusätzlich kommen noch Faktoren außerhalb des Games dazu, wie Youtube Content, Turniere, Streams, Fanarts, Cosplays und viele weitere Elemente, die für eine sehr spezielle Verbindung zum Game sorgen. Jeder gewinnt also etwas Anderes aus LoL für sich und bleibt nicht selten sehr lang bei diesem Spiel.

Gibt es besondere „Stationen“ innerhalb deiner Karriere, an die Du Dich besonders gut erinnern kannst?

Markow: Worlds Finals 2015. TheMain. Dies war der mit Abstand schönste Moment meiner Karriere und er wird für immer einen speziellen Platz in meinem Herzen haben. Denn 2015 war das LoL-Weltmeisterschaftsfinale in Berlin. Leider durften wir als Kommentatoren-Team nicht live vor Ort sein, weshalb wir ein eigenes Finale veranstalteten, welches nach wenigen Momenten 3000 Tickets losgeworden ist. Und bei Event selbst haben wir nicht nur das Finale gecastet, sondern auch noch fünf weitere Stunden auf der Bühne performt und die Leute mit League unterhalten. Nicht für die Zuschauer, sondern für uns alle vor Ort, war dies etwa absolut Besonderes.

Wann wusstest Du, dass E-Sport ganz groß rauskommt?

Markow: Es gibt da mehrere Momente. Einige beziehen sich auf Arbeit, da man merkt, dass die Zuschauerzahlen steigen und das Interesse sehr groß ist. Aber ich werde niemals meinen ersten Gamescom-Moment in Köln vergessen. Damals hat Riot noch LCS Spiele auf der GC laufen lassen und die Stimmung dort war unnormal. Menschenmassen war ich bereits gewohnt, wenn Leute sich für neue Spiele anstellen und bei Präsentationen ausrasten. Auf den LCS-Bühnen drehten die Leute komplett durch, als Kills gefallen sind und Teamfights entstanden. So einen Gefühlsausbruch kannte ich bis dahin nur vom Fußball und es hat mich total überrascht. Spätestens hier hatte ich das Gefühl, dass E-Sport eine große Zukunft hat, auch wenn es Starcraft bereits Jahre vorher schon Stadien gefüllt hat.

Gaming war immer ein eigener und persönlicher Bereich.

Maxim Markow

Caster, Streamer, Influencer, Freaks 4U Gaming

Was sind Deiner Meinung nach die Gründe dafür, dass E-Sport so beliebt geworden ist?

Markow: Zunächst einmal ist es über die Jahre zugänglicher geworden. Sei es besseres Internet, Handy, Tablets usw. und durch die Plattformen selbst. YouTube und Twitch boten eine stabile Grundlage, Profis nicht nur bei Turnieren, sondern auch beim Training zuschauen zu können. Dies sorgt für eine andere Bindung zum Spiel aber auch zum Spieler. Außerdem verbindet E-Sport den Entertainment-Faktor und den Bezug zum Alltag. Ich meine: Fußball kennt jeder, aber Gaming war immer ein eigener und persönlicher Bereich. League oder auch Starcraft plötzlich im Fernsehen oder generell auf einer Leinwand zu sehen, ist aber etwas Anderes und Aufregendes. Oder zumindest war es das für mich. Hinzu kommt außerdem, dass League ein sehr kompetitives Spiel ist, was das Zuschauen, Mitfiebern aber auch Mitlernen zum Zentrum des E-Esports macht. Jeder will die Besten der Besten in einem Spiel sehen, egal ob es Fußball oder League of Legends ist.

Wird der Trend anhalten?

Markow: Ich denke ja, da es hier den großen Vorteil der Vielfalt und Wandelbarkeit gibt. Der Gaming-Bereich ist sehr facettenreich und auch ich habe vor nicht allzu langer Zeit erfahren, dass es riesige Turniere zu Handy-Games und Ähnliches gibt. Das Interesse aus verschiedensten Ecken ist also da und die Flut an Games sorgt immer wieder für Nachschub, wenn einige Titel vielleicht nicht mehr so beliebt sind. Immer mehr Menschen fangen an am Computer, am Handy oder wo auch immer zu spielen. Und auch diese werden mitbekommen, dass ihr Game vielleicht mehr beinhaltet als sie denken.

Maxim Markow Interview League of Legends

Maxim Markow (Mitte)

Welches war das erste Turnier, das Du als Caster begleitet hast?

Markow: Begonnen hat alles auf der Gamescom 2013, wo ich das DrPepper Allstar Event kommentieren durfte und auch das erste Mal vor Live-Zuschauern. Das war ein sehr krasser Sprung für mich, da ich die vorherigen Cups quasi von Zuhause kommentiert habe. Es war schon ein krasser, aber sehr angenehmer und herausfordernder Wechsel. Später kamen dann die ESL Meisterschaft und Ähnliches hinzu.

Gibt es ein Turnier, das Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist? Wenn ja, warum?

Markow: Die Worlds 2015 werde ich, wie oben bereits erwähnt, nicht vergessen. Nicht nur die Turnierphasen waren sehr spannend, sondern wir haben uns auch bei Freaks4U Gaming etwas Krasses vorgenommen. Im Prinzip war die Absage, vor Ort sein zu können, das Beste was uns hätte passieren können. Aus dieser emotionalen Lage haben wir meiner Ansicht nach das beste Event bis heute abgeliefert.

Wie bereitest Du Dich auf ein großes Turnier vor?

Markow: Witzigerweise recht wenig. Unser Alltag ist mit vielen anderen Aufgaben gefüllt, weshalb sich nicht viele Gedanken gemacht wird. Die psychische Vorbereitung auf ein Turnier ist winzig bzw. nicht vorhanden. Um jedoch einen guten Eindruck zu hinterlassen, informieren wir uns ausgiebig zu den Teams und Spielern. Das Kommentieren der Games hilft aber schon sehr gut, was die Vorbereitung auf das Finale angeht. Jedoch gilt auch hier: Vor dem Turnier ist nach dem Turnier.

Was motiviert Dich?

Markow: Die Unterhaltung der Zuschauer. Ich kann in meinem Alltag die ganze Zeit über Computerspiele bzw. speziell über LoL reden. Beim Kommentieren ist es mir allerdings wichtig, Wissen zu übermitteln, aber auch die Leute gut zu unterhalten. Deren Feedback zu sehen und zu lesen gibt einem selbst einen großen Motivationsschub. Allerdings nur gut dosiert, d.h. Kritik kann einen auch während des Casts ins Wanken bringen, wenn man etwas zu lange in den Chat schaut. Aber über die Jahre ist man das abgestumpft und abgehärtet. Andere zu unterhalten, mit den Games, die man liebt, steht aber im Vordergrund.

Welche Qualität ist für einen Caster die wichtigste?

Markow: Die Stimme. Das ist leider das schwierigste Element, was man nicht wirklich beeinflussen kann. Aber wenn deine Stimme nicht gut klingt, dann wird man es als Kommentator sehr schwer haben. Sicherlich kann man es trainieren, aber nicht in dem Ausmaß wie andere wichtige Qualitäten, wie Wissen über das Game oder Sprachgewandtheit und Ausdauer.
Das ist wahrscheinlich der Punkt, der am wichtigsten ist, aber auch gleichzeitig am unfairsten.

In Amerika war ich bisher noch nicht, aber meine Videos können trotzdem Menschen auf der ganzen Welt unterhalten.

Maxim Markow

Caster, Streamer, Influencer, Freaks 4U Gaming

Welchen Aktivitäten gehst Du abseits des Computers am liebsten nach?

Markow: Früher habe ich viel Sport gemacht. Aber aktuell verbringe ich Zeit mit meinen Kindern, was manchmal Aktivität genug sein kann. Oder ich arbeite an meinem DIY Format und baue Regale, Tische, Hochbeete usw, quasi Holzarbeiten. Etwas Nützliches schaffen ist immer ganz angenehm.

Summoners Inn und das Spandauer Inferno sind in der deutschen Community nicht wegzudenken. Wie bist Du dort hineingeraten?

Markow: Summonersinn habe ich mit Hendrik Ruhe und Max Knabe aka HandofBlood damals gegründet. Und die Verbindung zum Spandauer Inferno kam dann über Max selbst, da ich deren Spiele oft gecastet oder generell begleitet habe.

Hast Du Deine Berufung im E-Sport gefunden?

Markow: Ja, definitiv. Ich habe mein ganzes Leben Computerspiele gezockt und einen Riesen-Gefallen daran, über Games im allgemeinen zu reden. Diese „Sucht“, mich über Spiele auszulassen, kann ich in meinem Beruf ohne Probleme verwirklichen. Und als kleiner Junge war ich schon immer sehr albern und mein Onkel hat damals gemeint, dass ich nach Hollywood müsse. In Amerika war ich bisher noch nicht, aber meine Videos können trotzdem Menschen auf der ganzen Welt unterhalten.

Gibt es sonst etwas, was Du gerne loswerden würdest?

Markow: Ich will mich für die massive Unterstützung von Freaks4U Gaming und meinen Kollegen bedanken. Alleine kann man in diesem Berufsfeld nicht überleben und ich kann behaupten, dass ich meine Träume lebe.

Maxim, vielen Dank für Deine Zeit und die informativen Einblicke!

Titelbild: © geralt / Pixabay.com

Beitragsbilder: © Sebastian Beiler, Freaks 4U Gaming

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