Ich verdränge die Angst

Nach dem Volontariat stehen junge Journalisten vor ungewisser Zukunft. Bei den Verlagen stapeln sich die Bewerbungen. Warum drängen nach wie vor so viele Berufseinsteiger in den Journalismus?

Wir haben Ulrike Herzog getroffen. Eine junge Volontärin, die für ihren Traum, als Journalistin zu arbeiten, eine gut bezahlte Stelle in der PR aufgegeben hat. Die 31-Jährige hat sich für einen Lebensweg mit offener Zukunft entschieden. Seit dem 31. Januar 2015 ,ist sie Volontärin bei einem Verlag. Ein Interview über die Erwartungen an ein Volontariat , Zukunftsängste und die Frage, ob Ziele im Leben wichtiger sind als Geld.

Ulrike, Sie haben eine gut bezahlte Stelle in der PR aufgegeben, um in den Journalismus zu wechseln. Warum haben Sie sich für einen Beruf mit so schlechten Zukunftsaussichten entschieden?

Ich habe nach meinem Studium zwei Jahre als Pressereferentin in einem Klinikum gearbeitet. In dieser Zeit habe ich festgestellt, dass ich lieber auf der anderen Seite des Tisches sitzen will. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich und meine Prinzipien dabei sehr verbiegen muss. Ich wollte und konnte das irgendwann nicht mehr. Mein Wunsch war es, die Person zu sein, die Fragen stellt und die Wahrheit herausfindet!

Die Chancen nach dem Volontariat stehen nicht besonders gut. Haben Sie keine Angst vor der Zukunft?

Ich glaube, wenn jemand etwas gut kann und eine Leidenschaft für etwas hat, wird der auch seinen Platz finden. Selbst wenn man dann nicht sofort das große Geld verdient.

Vor der Zukunft haben Sie keine Angst? Klar habe ich Ängste. Aber die waren während meiner Studienzeit viel größer. Damals bin ich nächtelang wach gelegen und habe mir gedacht „Oh Gott, was soll nur aus mir werden“. Ich habe Literaturwissenschaften, Anglistik und Germanistik auf Magister studiert. Meine Eltern haben mir immer gesagt, dass ich Lehramt studieren soll. Das wäre ein sicherer Job.

Wovor haben Sie Angst, seit Sie in den Journalismus gewechselt sind? Dass ich irgendwann arbeitslos bin oder als freie Journalistin arbeiten muss und keine Aufträge bekomme. Das Schlimmste wäre für mich, von Hartz 4 leben zu müssen. Aber im Moment verdränge ich diese Angst. Ich glaube, die Chancen stehen gut, dass mich mein Verlag nach dem Volontariat übernimmt. Das gibt mir Sicherheit.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie in Ihrem Volontariat so gut ausgebildet werden, dass Sie danach auch bei anderen Redaktionen anfangen könnten?

Mein Gefühl ist, dass ich in meiner Ausbildung nicht das vollständige Handwerkszeug lerne, um auch in anderen Themengebieten im Journalismus erfolgreich zu sein. Ich bekomme zum Beispiel von meinem Verlag nur einen Weiterbildungskurs bezahlt.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit im Volontariat aus?

Ich mache dieselbe Arbeit wie eine Redakteurin. Ich habe meinen festen Platz und sitze direkt neben meiner Chefredakteurin. Mit ihr spreche ich die Themen ab, die wir ins Heft bringen. Wir klären, wer welche Aufgaben übernimmt. Zudem habe ich ständigen Kontakt mit unserer Grafikerin.

Gibt es jemanden, der über Ihre Texte geht?

Ja, aber außer ein paar Kommas wurde da noch nie viel kritisiert. Ob das an meinen Texten liegt, kann ich nicht sagen. Unser Verlag setzt den Fokus vor allem auf Bilder, weil wir Wohnmagazine machen.

Was fehlt Ihnen in Ihrer Ausbildung?

Ein Fotokurs wäre mir sehr wichtig, Zudem hätte ich gerne mehr Routine bei der Textarbeit. Hier würde ich noch gerne mehr dazulernen.

Wie weit ist der Alltag in Ihrem Volontariat von dem Idealbild eines Journalisten weg?

Journalist ist ein sehr großer Begriff. Wenn mir jemand als Kind diese Frage gestellt hätte, wäre für mich der Journalist immer jemand gewesen, der Skandale aufdeckt! Davon bin ich natürlich meilenweit weg. Ich möchte auch nicht immer für Wohn-Magazine schreiben. Ich will selbst Themen finden und recherchieren. Ich will mit Leuten sprechen und meine eigenen Text schreiben. In welchem Ressort, kann ich noch nicht sagen. Aber ich wünsche mir einen Bereich, der gesellschaftlich relevanter ist.

Ulrike Herzog in Irland

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