Plastik in Lebensmittel: Wie sich der Mensch selbst zerstört

Neuen Studien konnten Rückstände von Plastik in Speisefischen belegen. Die darin enthaltene, gefährliche Chemikalie Bisphenol A kann für den Menschen durchaus gesundheitsschädlich sein. BPA wirkt im Körper wie ein Hormon und kann Ursache für Kreislauferkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Störungen des Immunsystem sowie Brust- und Hodenkrebs sein.

Essen ist mit die wichtigste und beliebteste Sache der Welt. Egal ob in einer Gourmetküche geschlemmt oder eine schmackhafte Schokopraline zwischen Tür und Angel verspeist wird. Der Durchschnitt-Deutsche gibt 13,7 Prozent seines Konsumguts für Lebensmittel aus. Doch wissen wir überhaupt, was wir in den meisten Fällen konsumieren? Immer häufiger warnen Verbraucherschützer vor gefährlichen Stoffen in alltäglichen Lebensmittel. Doch von welchen Stoffen ist hier die Rede und wie gelangen diese in unser Essen?

Diese Frage lässt sich relativ leicht beantworten. Ein Sprichwort besagt „Jeder ist sein Glückes Schmied“ – Dies trifft auch in diesem Fall zu. Größtenteils ist der Mensch selbst für die Verunreinigung seiner Lebensmittel verantwortlich. Im Konkreten geht es vor allem um die gefährliche Chemikalie Bisphenol A. (BPA). BPA ist die meistproduzierte Chemikalie der Welt und wird von der Industrie dem Plastik hinzugefügt, um es formstabil und besonders hart zu machen. Wie sehr der Menschen von BPA abhängig ist und welche Folgen mit sich bringt, deutet eine Aussage von Filmregisseur Werner Boote in seiner Dokumentation „Plastic Planet“ an: „Wir sind Kinder des Plastikzeitalters: vom Babyschnuller bis zur Trockenhaube, von der Quietscheente bis hin zum Auto. Plastik ist überall: In den Weltmeeren findet man inzwischen sechsmal mehr Plastik als Plankton und selbst in unserem Blut ist Plastik nachweisbar! Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken.

Wie nimmt der Mensch Bisphenol A auf?

 

„Der Mensch ist kontinuierlich Bisphenol A ausgesetzt. Dieser hormonähnliche Stoff kann sowohl über die Atemluft, der Haut wie auch über die mündliche Zufuhr in den Körper gelangen“, erklärt Dr. Gerd Wiechert in einem Interview. Das heißt sobald man mit Plastik in Berührung kommt, können Mikropartikel aufgenommen werden. Zum Beispiel durch das Ziehen eines Parktickets oder den Erhalt eines Kassenbons. „Dieser alltägliche Kontakt ist allerdings unbedenklich“, fügt Wiechert an.
Bedeutend schädlicher ist die vermehrte Aufnahme von Bisphenol A über die Nahrung.

Laut „Nabu“  gelangen über 10 Millionen Tonnen PLastiukmüll jährlich in die Ozeane. Fische auf Futtersuche werden vom Geruch von im Meer treibenden Plastikteilen angelockt. Die Geruchsstoffe stammen dabei aber nicht vom Plastik selbst, sondern von kleinen Meeresorganismen, die auf den Partikeln siedeln. Auch Nesseltiere und Muscheln, welche Mineralstoffe aus dem Wasser filtern, sind Biasphenol A ausgesetzt. Forscher einer Studie, die in der Online-Zeitschrift Scientific Reports von Nature veröffentlicht wurde, stellten fest, dass ungefähr ein Viertel (25 bis 28 Prozent) der getesteten 152 Fische, die von Fischmärkten in Kalifornien und Indonesien stammten, von Menschenhand produzierter Abfall—Plastik oder Fasermaterial—in ihren „Eingeweiden“ hatten. Auch wenn der Mensch die Organe eines Fisches nicht verzehrt, sind Rückstände auch im Fischfleisch vorhanden.

Es gibt noch weitere Lebensmittel welche Bisphenol A aufweisen. BPA findet sich zudem oft in Kunststoffen, mit welchen Konservendosen ausgekleidet werden, um Korrosion zu verhindern. Dadurch enthalten auch oft Lebensmittel in Konserven die gefährliche Chemikalie.

Copyrigth: Jorge Gonzalez

Fische (Makrele)

Fische auf Futtersuche werden vom Geruch von im Meer treibenden Plastikteilen angelockt.

Die Geruchsstoffe stammen dabei nicht vom Plastik selbst, sondern von kleinen Meeresorganismen, die auf den Partikeln siedeln.
So können Mikropartikel beim Verzehr auch in den menschlichen Körper gelangen.

Honig

Honig

Ein Test der Konsumentensendung «Kassensturz» von SRF. hat ergeben, dass jedes der 20 getesteten Honigprodukte, Plastikrückstände enthält. Der Chemiker Professor Gerhard Liebezeit hatte jeden Honig bei 70 Grad verflüssigt und anschliessend gesiebt. Winzige Plastikteilchen landeten auf dem Filter.
(Bild Copyright: Roberta-sorge)

Muscheln

Die kleinen Meerestiere nehmen Plastik mit der Nahrung auf, die sie aus dem Wasser filtern. Winzige Plastikpartikel wurden bereits in Miesmuscheln von der deutschen Nordseeküste als auch von der chinesischen Festlandküste nachgewiesen.

Getränke in einer PET-Flasche

„Wir haben in Studien hormonähnlich wirkende Substanzen, sogenannte Umwelthormone, im Mineralwasser gefunden und gute Hinweise darauf, dass zumindest ein Teil davon aus der Kunststoffverpackung stammt“ – Martin Wagner (Toxikologe an der Goethe Universität Frankfurt) im Interview mit Spiegel-online.

Scheibenkäse

Einge Sorten Scheibenkäse der Marke Milram und anderer Handelsmarken wurden im November wegen möglicher Verpackungsreste aus Plastik zurückgerufen. Eine Gesundheitsgefährdung könne nicht ausgeschlossen werden.

Lebensmittel aus der Konserve

Der BUND hat die gesundheitsschädliche Chemikalie Bisphenol A in häufig konsumierten Thunfisch-, Tomaten- und Kokosmilchkonserven aus den Regalen der großen Handelsketten Lidl, Rewe, Aldi, Edeka, Netto und Penny nachgewiesen.

In 5 von 7 Thunfisch-, 4 von 7 Tomaten- und 3 von 5 Kokosmilchkonserven konnte BPA gefunden werden.
BPA ist Ausgangsstoff für die Herstellung von Epoxidharzen. Das sind Kunststoffe, mit welchen das Innere von Konservendosen häufig ausgekleidet wird, um Korrosion zu verhindern.

 

Bier

Nach NDR-Recherchen ist des Deutschen liebstes Getränk teilweise massiv verunreinigt. So wollen Forscher in Pils- und Weißbiersorten Plastikpartikel festgestellt haben.

Im Weißbier der Münchner Paulaner Brauerei fanden sich demnach 70 Plastikpartikel pro Maß.

Wie wirkt Bisphenol A

Bisphenol A gehört zu den hormonellen Schadstoffen, die bereits in winzigen Mengen mit ihrer östrogen-ähnlichen Wirkung in unseren Hormonhaushalt eingreifen können. BAP gelangt entweder über die Schleimhäute im Mund oder über den Verdauungstrakt in das Blutsystem. BPA blockiert in Folge wichtige Kalzium-Kanäle in der Zellmembran und beeinträchtigt so die Funktion von Enzymen und Transportproteine.

Wie viel BPA letztendlich gesundheitsschädlich ist, ist umstritten. Allerdings sind sich Experten einigen, dass bei diesem Stoff oft eine geringere Konzentration schlimmere Folgen haben kann, als eine größere. Klar ist allerdings, dass „Menschen in den industrialisierten Staaten mittlerweile zu über 90 Prozent chronisch mit Bisphenol A belastet, also sozusagen, plastiniert sind“, so Dieter Swandulla, Institutsdirektor der Physiologie II an der Universität Bonn.

Eine Überblicksstudie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Wirkung hormoneller Stoffe zeigt, dass die Zahl der hormonell bedingten Krankheiten und Symptome (Brust-, Prostata- Hodenkrebs, verfrühte Puertät bei Mädchen, reduzierte Spermienqualität und Übergewicht) massiv zugenommen haben. „Alle diese Merkmale können mit hormonellen-Störungen zusammenhängen, wie sie BPA auslöst“, so Dr. Wiechert.

Der Bund listet folgende hormonbedingt Erkrankungen, die von BPA unterstützt und ausgelöst werden können:

  • In vielen Ländern hat ein großer Teil der jungen Männer (bis zu 40 Prozent) eine verminderte Spermienqualität
  • Bei männlichen Neugeborenen werden immer häufiger Missbildungen der Geschlechtsorgane wie Hodenhochstand festgestellt
  • Komplikationen in der Schwangerschaft wie Frühgeburten und ein geringes Geburtsgewicht haben zugenommen
  • Hormonbedingte Krebsarten (z.B. Brust-, Prostata- und Hodenkrebs) sind in den vergangenen 40 bis 50 Jahren weltweit häufiger geworden
  • In allen Ländern, in denen das untersucht wurde, gibt es einen Trend zur verfrühten Pubertät bei Mädchen (verbunden mit einer frühen Brustentwicklung)
  • Fettleibigkeit und Diabetes-Typ-2 treten in den vergangenen 40 Jahren weltweit deutlich häufiger auf
  • Verhaltensstörungen bei Kindern haben in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen.
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