Ist Paid Content die Zukunft des Online-Journalismus?

 

Süddeutsche Zeitung, Bild, Main-Post und über 100 Zeitungen mehr: viele Online-Portale setzen auf bezahlte Inhalte
Musik kauft man auf iTunes, Filme und Serien werden auf Netflix geschaut, warum also nicht auch redaktionellen Content im Internet kostenpflichtig machen? Während die Auflagen von gedruckten Zeitschriften und Zeitungen zurückgehen, könnte Paid Content den Journalismus finanzieren. Um exklusive Artikel nicht nur im Print, sondern auch Online anbieten zu können, setzen immer mehr Zeitungen in Deutschland auf Paid Content. Werden investigativ recherchierter Content und längere Interviews in Zukunft nur noch kostenpflichtig zu erhalten sein?

Jeder dritte User zahlt für journalistische Inhalte

Immer mehr Nutzer zahlen für Online-Journalismus, zeigt eine aktuelle Studie von Bitkom. 2014 zahlten bereits 34 Prozent der über 1.000 Befragten für Reportagen, Interviews und Nachrichten im Internet, im Schnitt gaben sie pro Monat 15,10 Euro dafür aus. 22 Prozent der User verfügen über ein monatliches Abo, 20 Prozent zahlen für einzelne Artikel oder Ausgaben. Fast die Hälfte von ihnen würde hauptsächlich für aufwändige recherchierte Formate wie Reportagen, Interviews und Hintergrundberichte bezahlen. Für tagesaktuelle Nachrichten hingehen würden nur 6 Prozent der Befragten Geld ausgeben. „Die Nutzer verlangen auch im Internet nach hochwertigen und exklusiven Inhalten. Im Web ist Qualitätsjournalismus gefragt“ so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

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Zahlungsbereitschaft Online-Journalismus 2013

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Zahlungsbereitschaft Online-Journalismus 2014

Mittlerweile setzen über 100 Zeitungen in Deutschland auf Paid Content. Süddeutsche.de bietet das sogenannte „Metered Model“ an, das dem Nutzer eine bestimmte Anzahl Inhalte kostenlos zugänglich macht. Danach wird der User aufgefordert, ein Online-Abo abzuschließen. Bekannt wurde das Modell durch die New York Times. Gökalp Babyigit, geschäftsführender Redakteur bei Süddeutsche.de, erklärt im Video, wie die Paywall von Journalisten und Usern angenommen wird.

 

Eine weitere Paid Content-Methode ist das „Freemium“, eine Wortschöpfung aus den Begriffen „free“ und „premium“. Dabei ist exklusiver Content bezahlpflichtig, der so auf keiner konkurrierenden Seite zu finden ist. Bild, die britische Sun und der Südkurier setzen unter anderem auf dieses Modell. Die „harte Bezahlschranke“, angewendet unter anderem von der Rhein-Zeitung, erlaubt dagegen nur zahlenden Abonnenten, das Online-Angebot der Zeitung nutzen. Bei der „freiwilligen Bezahlung“, aktuell von der TAZ umgesetzt, entscheidet der User, in welcher Höhe er für den Content Geld ausgeben möchte. Wolfgang Krach, stellvertretender SZ-Chefredakteur, ist zuversichtlich, „unsere Leser davon überzeugen zu können, dass man für journalistische Qualität auch im Netz bezahlen muss“.

 

 

 

Roland Schmitt-Raiser, Ressortleiter Multimedia-Redaktion bei der Main-Post, erklärt im Interview die Bezahlschranke bei der Online-Ausgabe der Lokalzeitung für Unterfranken.

Es wächst der Anteil der Menschen, die für Journalismus im Netz bezahlen. Ist das die Zukunft des Online-Journalismus?

Momentan sieht alles danach aus, dass Paid Content sich durchsetzen wird. Es wird allerdings weitere Bezahlmodelle geben. Ich gehe davon aus, dass sich Plattformen wie iTunes für Zeitungsverlage mit verschiedenen Ausgaben und verschiedenen Tageszeitungen durchsetzen werden. Ob das in fünf Jahren alles wieder anders ist, wage ich nicht zu prognostizieren.

Auf welches Abomodell setzen sie bei der Main-Post?

Wir bieten verschiedene Abomodelle an. Es gibt unter anderem ein Komplett-Abo, welches das Printabo und alle digitalen Angebote beinhaltet, ein Digital-Abo, das den Zugang zu digitalen Angeboten ermöglicht, ein Web-Abo, um alle aktuellen und erschienenen Artikel auf mainpost.de lesen zu können sowie Tages- und Monatspässe, bei denen die Nutzung zeitlich befristet ist.

Ist der Traffic seit der Einführung der Paywall gestiegen oder gesunken? Würden Sie die Einführung als Erfolg werten?

Der Traffic hat sich nicht erwähnenswert verändert. Zwar sind unsere Zuwachsraten nicht mehr so hoch wie vor der Einführung des Bezahlsystems, jedoch ist der Zugriff auf unsere Seite stabil. Wir werten das als Erfolg. Entscheidend ist, dass man einzigartigen Content liefern muss. Als regionales Blatt haben wir den Vorteil eine bestimme Leserschaft mit Content zu bedienen, den sie sonst nicht finden.

 

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Richard Gutjahr, Netzjournalist

„Die Leute wollen zahlen, es muss nur möglichst einfach sein“

Aufmerksamkeit im Netz ist eine wichtige Währung der Zukunft. Freiberufler wie der Netzjournalist Richard Gutjahr, haben gute Chancen, in Zukunft mit ihren Texten Geld zu verdienen. Der Blogger nutzt seit einem Jahr das Bezahlsystem Laterpay.

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