New York ! Die ABP ist gelandet

 

Von Andreas Thieme

 

Wolkenkratzer, Häuserschluchten, Obdachlose neben Millionären. Nach neun Stunden Flug öffnet sich ein neuer Horizont. Der erste Biss in den großen Apfel! So schmeckt uns New York:

Zum Glück gibt es Typen wie Mike. Breit lächelnd steht er am Ausgang der Schleuse. Die blaue Uniform sitzt eng, aber gut. Ein Foto? „No problem.“ Während die Passagiere seine Boeing 767 verlassen, hat Mike beste Laune – nach neun Stunden Flug. Er ist der Pilot, der uns nach New York gebracht hat. Und ist jetzt gerne zu einem Selfie bereit. „Oh yeah“, sagt er. Was wir im Big Apple vorhaben, will er noch wissen. Ein Reportage-Seminar? Er lächelt: „Have fun, guys.

So ist New York – schnell, laut, verzehrend

Die gute Laune nehmen wir trotz Müdigkeit mit. Und auch die Art von Mike: Er bleibt gelassen, wenn die Welt an ihm vorbeirauscht. Und so ist New York: schnell, laut, verzehrend. Es glitzert, vibriert oder kreischt. Und wir mittendrin: im Hotel Pennsylvania. Die Lobby ist größer als mancher Regional-Bahnhof. Zwölf Aufzüge führen in 18 Stockwerke mit je 100 Zimmern. Willkommen in Downtown, Manhattan.

Gegenüber liegt der Madison Square Garden. Gleich rechts das Empire State Building. Fußläufig der Times Square. Unter tausenden New Yorkern, die durch die Straßen wimmeln, fallen wir zwölf Reporter auf: Weil wir nicht auf unser Smartphone schauen, sondern permanent in den Himmel – zu all den Wolkenkratzern, die uns die nächsten zehn Tage umgeben.

Die Menschen in New York schauen auf ihr Smartphone – wir in die Wolken.

Vitamine zum Frühstück: Ketchup!

Am zweiten Tag fangen wir zunächst unten an: In der Lobby tanzen 14 Spanier und spielen Gitarre. Um acht Uhr morgens. Geburtstag hat niemand. Sie haben einfach Spaß. So wie wir beim Frühstück: In Eisenberg’s Sandwich-Laden schmeckt es so gut, dass man tanzen möchte und der Gaumen glaubt, er hat Geburtstag. Deshalb kommen auch die Stars gerne zum berühmten Eierbrater, der mittlerweile selbst zum Star geworden ist. Und weil man hier in Ruhe frühstücken kann. Während draußen die Taxis in der Rush-Hour vorbeischießen.

Zur blauen Stunde fängt Manhattan an zu glühen

Noch schneller rauscht nur der Fahrstuhl das Empire State Building empor. Nach zweimal Nasezuhalten mit Druckausgleich sind wir im 80. Stock. Für diesen Ausblick gibt es nur ein Wort: wow. Gegen 18 Uhr sind wir oben und schauen über Manhattan. Zur blauen Stunde fängt New York langsam an zu glühen. Während der Himmel noch hell scheint, sieht man die Tiefe in den Hochhaus-Schluchten. So viele Türme! Tausendmal gesehen – aber jetzt zum ersten Mal gespürt. Man könnte wohl wochenlang dort oben stehen und sich immer noch nicht sattsehen. Es ist ein Blick wie in die Alpen, nur sind hier die Häuser die Berge und das Viertel die Landschaft.

Dann, ganz langsam, wandert die Energie. Der Himmel wird rötlich, die Häuser-Schluchten dunkler. Jetzt springen die Lichter an, sie werden zu einem Meer, das auf den Schatten tanzt und ein endloses Knistern ergeben, das sich über Manhattan legt, das jetzt innerhalb von einer Stunde nochmal zu einer ganz anderen Stadt geworden ist: zu einem endlosen Horizont aus flackernden Lichtern. Zur Stadt, die niemals schläft.

Aber es wäre wohl nicht New York, wenn man nicht mindestens 1000 Menschen unmittelbar neben sich hätte, die gerade stehen, gehen, reden, rennen, fluchen, flehen, singen, tanzen oder telefonieren. So auch auf dem Empire State Building. In der U-Bahn. Oder in China-Town, wo wir den zweiten Abend verbringen. Kurios, dass wir dort ausgerechnet bei einem Iren landen, der aber verdammt nett ist und gutes Bier ausschenkt. Als wir zahlen wollen, rechnet er schneller als der schnellste Eiermann bei Eisenberg braten kann. Schmerzverzerrt schauen wir auf die Rechnung, aber Greg lächelt so freundlich wie Pilot Mike: „Have a great night.“

 

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