Münchner Wohnungsmarkt - Warum Murat hier nicht wohnen darf

In München eine Wohnung zu finden ist besonders für Ausländer schwer. Allein ein Name wie Murat, Lorenzo oder Emre kann ausreichen, um benachteiligt zu werden. Wie Diskriminierung und Vorurteile die Wohnungssuche erschweren.

Murat oder Peter, wer bekommt eher eine Wohnung? Ausländer haben es auf dem Münchner Wohnungsmarkt schwerer als andere. Laut den Experten des Immobilienportals „kautionsfrei.de“ werden Bewerber, die einen ausländischen Namen tragen, bei der Wohnungssuche deutlich benachteiligt, auch wenn sie überhaupt keine Ausländer sind. So werden sie seltener zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen oder bekommen für Immobilien höhere Preise angeboten als Bewerber mit typisch deutschen Namen wie Frank oder Susanne.

„Ich habe ein großes Problem: Ich heiße eben Murat.“

Am eigenen Leib musste das der 26-jährigen Murat erfahren. Er ist in Istanbul geboren und hat eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater. Mit 8 Jahren ist Murat mit seiner Mutter nach Deutschland gezogen. Hier hat er Abitur und seinen Master in Physik gemacht. Dank seines guten Abschlusses, hat er einen sicheren und gut bezahlten Job gefunden und wollte dafür nach München ziehen. Bei der Wohnungssuche hat er aber, wie er selbst sagt, ein großes Problem: Kaum nennt er seinen Namen, sagen ihm etliche Vermieter ab, bevor die Verhandlungen überhaupt begonnen haben. Schon bei Wohnungsbesichtigungen hätten ihn oftmals Mieter gewarnt, dass er es als Türke bei dem Vermieter schwer haben dürfte.

Der Name macht den Unterschied

 

Das nächste Beispiel ist der 25-jährige Lorenzo Coltello-Weis. Er ist in Barcelona geboren und hat eine deutsche Mutter und einen spanischen Vater, daher der spanisch-deutsche Doppelnachnahme. Um Benachteiligung zu vermeiden und weil es gegenüber Deutschen leichter zu buchstabieren ist, hat sich Lorenzo bei der Wohnungssuche meist mit „Weis“, also seinem deutschen Nachnamen, vorgestellt. Damit hat er viele gute, aber auch schlechte Erfahrungen gemacht: So ging Lorenzo eines Tages zu einer Wohnungsbesichtigung und als er in der Wohnung auftauchte, reagierte der Vermieter überrascht und sagte: „Achso, ich habe mir aber einen anderen Herrn Weis vorgestellt.“
Auf der anderen Seite war es bei Lorenzoss letzter Wohnungssuche sogar ein Vorteil, dass er Halb-Spanier ist. Sein neuer Vermieter verbringt selbst viel Zeit in Barcelona und hat dem Katalanen Lorenzo deswegen sehr gerne eine Wohnung vermietet .

Einwohnerzahl Münchens

%

Ausländer/innenanteil in München

Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund mit Hauptwohnsitz München

Das dritte und letzte Beispiel für Ausländerfeindlichkeit auf dem Münchner Wohnungsmarkt ist der 28-jährige Emre. Emre trägt zwar einen türkischen Namen und hat türkische Eltern, ist aber in Deutschland geboren und deshalb deutscher Staatsbürger. Er hat einen Makler beauftragt in seinem Namen eine Wohnung in München zu suchen. Und obwohl er als Bankangestellter ein sicheres Einkommen hat, kamen bei mehr als fünfzig Wohnungsbesichtigungen nur Absagen heraus. So verlor er, seiner Aussage zufolge, manch eine Wohnung an deutsche Studenten ohne Einkommen, die aber ein Ärztepaar als Eltern hinter sich stehen hatten. Obwohl ihm noch kein Vermieter ins Gesicht gesagt hat, dass er wegen seinem türkischen Namen keine Wohnung bekommt, kann er es sich nicht anders erklären.

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz wird auch Antidiskriminierungsgesetz genannt. Es soll „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen.“

Kein offener Rassismus

 

Murat, Lorenzo und Emre haben alle die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie sind also keine Ausländer, sondern haben lediglich ausländisch klingende Namen oder ausländische Eltern. Dennoch haben sie bei der Wohnungssuche größere Probleme als ein Peter Müller sie wohl haben würde.
Dabei sollte das durch das Gleichbehandlungsgesetz verhindert werden. Dank dem Gesetz würde es mit einem Bußgeld bestraft, wenn Eigentümern nachgewiesen werden kann, dass sie Wohnungsbewerber aufgrund deren Herkunft oder Rasse benachteiligen.

Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund sind übrigens nur eine von vielen Gruppen, die bei der Wohnungssuche Probleme haben. Auch Familien, Geringverdiener, und Tierbesitzer werden immer wieder von Vermietern benachteiligt.
Das große Problem ist, dass Vermieter nur sehr selten offen rassistisch oder fremdenfeindlich sind, oder deutlich aussprechen, warum welcher Bewerber eine Wohnung nicht bekommt. Sie entscheiden alleine, wen sie als Mieter akzeptieren und müssen ihre Auswahl notfalls nicht rechtfertigen.
Deshalb bleiben Leute wie Murat, Lorenzo und Emre darauf angewiesen, dass in München nicht jeder Vermieter ein (heimlicher) Rassist ist.

Titelbildlizenz: Creative Commons (Attribution: Mwinog2777 at English Wikipedia)

Pin It on Pinterest

Share This
Lust beim kommenden Grundkurs Online
dabei zu sein?

Lust beim kommenden Grundkurs Online

dabei zu sein?

Dann schau hier vorbei:

Infos und Anmeldung

You have Successfully Subscribed!