Größenwahn – auf die nette Tour

Von Monika Läufle

Zwei deutsche Journalisten erzählen, was einen richtigen New Yorker ausmacht.

Domenico Sciurti, der in New York als Journalist lebt und arbeitet, zeigt uns seine Auftraggeber, die ARD und das Handelsblatt. Bei der ARD müssen wir am Wachmann vorbei, der ganz allein in der Empfangshalle sitzt. Marmorwände, Marmorboden, Marmorpult. Alles weiß. Außer Bob. Nimmt man ihm den Anzug weg, kann er genauso gut Rausschmeißer eines Hip Hop Schuppens sein. Wir geben ihm unsere Ausweise. Während er die Namen in seinen Computer eintippt, liest er sie laut vor.
Bob gelingt, was ich nicht für möglich gehalten hätte: Er schafft es, meinen Nachnamen einzunewyorkern. „Läufle“, das klingt nach Provinz, nach Sparen und Spätzle. Spricht Bob ihn aus, dann bekommt er Drive, dann klingt er nach Großstadt. „LaFleu“. Sehr geil. „I’m good a this“, lobt Bob sich selbst. Oh yes Bob, you are!
Wenn ich einen New Yorker Name habe, dann will ich aber auch wissen: Was braucht es noch, um ein New Yorker zu werden? Wie sind die so? Christian Fahrenbach, der wie Domenico von Deutschland nach New York gezogen ist, weiß es: Unglaublich hilfsbereit. Wenn man dir helfen kann, dann hilft man dir auch. Denn alle wissen, wie hart man arbeiten muss, um hier über die Runden zu kommen. Ein Beispiel: Für ein Zimmer, in das gerade mal ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Schrank und ein Buch passen, zahlt man 2.000 Dollar.
dpa-Journalist Christian Fahrenbach (Mitte) erzählt über seine Arbeit, seine Wohnung - und New York.

Wenn Du auf der Straße stehst und isst – und erst nach dem Essen merkst, dass Du die ganze Zeit neben stinkenden Müllsäcken gestanden hast, dann bist Du ein waschechter New Yorker.

Christian hat eine zweite Erklärung, warum New Yorker so hilfsbereit sind: Größenwahn. Jeder ist so überzeugt von sich selbst, dass es jenseits der eigenen Vorstellungskraft liegt, dass man sich Konkurrenz heranzüchten könnte.
Cooler Name, Hilfsbereitschaft, Größenwahn. Fehlt noch was: Domenico weiß einen einfachen Test: Wenn Du auf der Straße stehst und isst – und erst nach dem Essen merkst, dass du die ganze Zeit neben stinkenden Müllsäcken gestanden hast, bist du ein waschechter New Yorker.

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