Die letzten Geheimnisse der Münchner Parks

Englischer Garten, Westpark, Olympiapark, jeder in München besucht die Münchner Parks regelmäßig. Aber kennen die Städtler ihre Grünoasen überhaupt wirklich? Diese folgenden Geheimnisse überraschen selbst echte Münchner.

Sporteln, Gassi gehen, schwimmen, surfen, in der Sonne liegen, lesen, grillen, biergarteln, Freiluftkino besuchen, abhängen, Zeit vertreiben: Die Münchner sind echte Profis, wenn es um Parks geht. Kein Wunder, ist doch fast jede Ecke der Stadt mit eben diesen Grünflächen ausgeschmückt.

 

Die Münchner Parks

Sie heißen Englischer Garten, Olympiapark oder Westpark und bieten deutlich mehr als ein paar Liegewiesen mit Baumgarnitur. Fragt man einen Münchner, wird wohl jeder etwas zu einem Park sagen können. Bohrt man dann aber nach, werden die Münchner schon stiller. Deshalb haben wir es uns frei nach dem Motto „Wussten Sie schon“ zur Aufgabe gemacht, die Münchner noch einmal mit ihren Parks zu überraschen. Denn tatsächlich hüten selbst unsere gut besuchten Stadtparks Geheimnisse, die nicht einmal alle Münchner Kindl kennen.

Der Westpark oder Drogenschmuggel und Kaninchenplage

Im Westen nichts Neues? Doch, doch. Der Westpark ist sogar besonders delikat, wenn es um Geheimnisse geht. Eröffnet 1983 für die internationale Gartenbauausstellung, ist der Park mittlerweile frei begehbar. Zwischen Grillwiesen, Feuchtgebieten, Seen und Bäumen verstecken sich geschickt platzierte Kunstwerke, asiatische Garten- und Tempelanlagen. Sogar eine Hügellandschaft samt Berghütte simuliert das Alpenvorland. Irgendwo zwischen Autobahn und Häuserblock.

Soweit, so offensichtlich. Hinter dieser Fassade der perfekten Landschaft verbirgt sich aber ein weniger harmonisches Bild. Kratzen wir ein wenig an der Oberfläche, offenbart uns der Münchner Park sogar eine schreckliche Geschichte. Bereits zehn Jahre nach der Gründung wurde die grüne Attraktion Schauplatz eines kaltblütigen Mordes. Der passend benannte Westpark-Mörder hat damals im Alter von 18 Jahren einen Jogger erstochen, nur aus Frust und Mordlust. Eine schaurige Vorstellung für alle, die mit einem ohnehin schon mulmigen Gefühl zwischen den nächtlichen Bäumen wandern, weil der Dackel mal wieder sein Bein hebt.

Wie ein Krimi

Mittlerweile lebt der Täter nach jahrelanger Sicherheitsverwahrung übrigens in Slowenien. Von dort aus hat er auch die Stadt München verklagt – die 11.700 Euro, die er für seine eigene Abschiebung zahlen musste, seien viel zu viel. Üblich sind nur 3.000 Euro für eine Linienmaschine samt Polizeibegleiter. Einen großen Transport mussten auch die Stifter der nepalesischen Pagode organisieren. Die wurde für die Gartenausstellung extra in Einzelteilen aus Nepal eingeflogen und thront nun inmitten eines Teiches. Dort fand man in den Hohlräumen der Schnitzwerke rund 400 Kilogramm Haschisch.

Aber kein Grund zur Panik, und bevor sie jetzt allesamt in den Englischen Garten fliehen: Es ist nicht alles schlecht im Westpark. Sind Sie tierlieb? Tatsächlich bietet der westlichste Park in München außer zahlreichen Brutvögeln und Schmuckschildkröten auch noch ganz anderen Tieren ein Zuhause: Kaninchen. Gehen Sie aufmerksam durch den Park, könnten Sie sich schnell an Alice im Wunderland erinnert fühlen, während sie das geschäftige Treiben der Langohren beobachten. Keine Zeit, keine Zeit, was war das? Schon wieder ein Kaninchen. Man könnte fast von einer Plage sprechen, wenn die kleinen Fellnasen nur nicht so niedlich wären. Wir hoffen, das entschädigt für Mord und Todschlag.

Der Englische Garten oder Park XXL und die verlorenen Nackten

Der Englische Garten ist das grüne Herz Münchens und atmet seinen Sauerstoff auf beeindruckenden 375 Hektar in die Stadt. Damit haben wir sogar den schicken New Yorkern etwas voraus. Nicht geflunkert: Obwohl die US-Metropole deutlich größer als München ist, haben wir in Sachen Park die Nase vorn. Der Central Park ist nämlich nur 349,15 Hektar groß und damit kleiner als der Münchner Park! Aber es kommt eben nicht immer auf die Größe an.

Denn auch wenn das hochherrschaftlich klingt, konnte Parkgründer Carl Theodor als Kurfürst zunächst nichts mit dem Stück Land anfangen – und wollte es lieber gegen ein Grundstück in den Niederlanden eintauschen. Die Niederländer wollten aber nicht, zum Glück. Der Kurfürst widmete sich anschließend der Umgestaltung Münchens. 1789 erschuf er dann eine der ersten frei zugänglichen Parkflächen überhaupt in Europa. Ursprünglich hieß der Park deshalb übrigens auch Theodor Park, der „Englische Garten“ setzte sich im Volksmund aber durch. Immerhin unterschied der Gartenstil sich deutlich von den geometrischen Barockgärten der Franzosen zu dieser Zeit.

Vorsicht, nackt?

Wem das zu vornehm ist, der sollte eine kleine Zeitreise machen. In den 80er- und 90er-Jahren war der Englische Garten vor allem bei einer Gruppe beliebt: den Nackten. FFK-Fans lagen gern im Park und sonnten sich zahlreich. So zahlreich, dass es sogar Touristen anlockte und es auch heute noch tut – blöd nur, dass die Parknackten so langsam aussterben. Dabei hat der Lonely Planet sie einst zu einem von „Germany’s Top Experiences“ gewählt. Heute sieht man oft verwirrte Touristen, wie sie die berittene Parkpolizei und Passanten nach den verlorenen „Nackerten“ fragen. Die können sie aber nur  an ein paar alte Urgesteine verweisen, die die ledrige Faltenhaut in der Sonne brutzeln. Was in den 70er-Jahren noch hart erkämpft werden musste, ist heute wohl so gewöhnlich, dass es hier niemanden mehr interessiert. Die Münchner bleiben lieber angezogen.

Der Olympiapark oder zwischen Science-Fiction und dem zweiten Weltkrieg

Der Olympiapark war mit seinen weitläufigen und architektonisch beeindruckenden Anlagen Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1972. Die Sportstätte birgt aber auch das ein oder andere Geheimnis unter der spinnennetzartigen Dachkonstruktion von Frei Otto. Die scheint mit ihrer federleichten Bauweise tatsächlich aus einer anderen Zeit zu stammen. Das überzeugte auch die Macher des Science-Fiction-Films „Rollerball“. Olympia-Gelände und BMW-Hochhaus dienten 1975 als Kino-Kulisse für den namensgebenden Extremsport. Der soll in einer von korrupten Konzernen kontrollierten Zukunft für makabre Unterhaltung sorgen. Vielleicht ein wenig zu brutal für den olympischen Geist. Doch es macht das Park-Gelände aber immerhin zu einem echten Hollywood-Filmset.

Und wer das stilecht besuchen möchte, tut das am besten von oben. Richtig gelesen: Ähnlich wie die „Top of the Rock“-Tour im Rockefeller Center in New York hat auch der Münchner Park seine eigene Roof Top Tour. Und die ist sogar etwas gewagter: Statt bequem im Aufzug, geht es mit Seil und Karabiner die beeindruckende Glaskonstruktion hinauf – inklusive Blick ins Olympiastadion, über den Park und die Innenstadt mit der Frauenkirche. Die Zeltdach-Tour ist nicht nur ein Park-Highlight, sondern auch ein ausgefallenes Geschenk – zumindest für Schwindelfreie.

Wie Phönix aus der Asche

Lassen wir unseren Blick von dort aus in die Ferne schweifen, fällt uns aber noch etwas ganz Anderes ins Auge: der Olympiaberg. Dieser unscheinbare Hügel und beliebte Treffpunkt birgt ein bedrückendes Geheimnis. Was wie eine natürlich geformte Erhebung wirkt, ist eigentlich ein sogenannter Schuttberg. Und der wurde aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttet. Ein bedrohliches Mahnmal dafür, dass sich hier einmal nur Asche und Staub befanden. Mit der Schuttblume und einem Kruzifix finden sich hier auch zwei Denkmäler zu Ehren der im Krieg Gefallenen.

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