Food Trucks in München: Essen open air

In den USA sind sie längst etabliert, jetzt erobern sie Deutschland: Food Trucks. Etwa 20 rollende Küchen bereiten den Münchnern ein neuartiges Gaumenglück.  Immer unter freiem Himmel. Ob für Hypersensible, Tierethiker oder Steinzeitfreunde, die jungen Chefs leben ihre Philosophie vom Essen. Wir haben in die Münchner Szene hineingeschmeckt und drei außergewöhnliche Food Trucks aufgespürt.

Die Intolerante

Mittagszeit am Hochschul- und Bürokomplex Neue Balan. „Kleine oder große Portion?“ Isi schaut den großgewachsenen Herrn auffordernd an. „Mega groß!“ Und ein Marzipanbeugerl bestellt der Mitvierziger im adretten weiß-blauen Hemd gleich hinterher. Sorgfältig schaufelt sie eine Portion Süßkartoffelcurry mit Zucchini und Kokosmilch aus einem der Warmhaltebehälter in den recycelbaren Pappbecher. „Mein Übergewicht kommt schließlich nicht von einem genetischen Defekt.“ Der Adrette lacht über seinen Witz, wohlwissend, dass er von außen betrachtet gut in Form ist. Buchweizen-Blaubeer-Muffin, Cashew-Brownie, Marzipanbeugerl und Mandelflorentiner – Widerstand zwecklos.

„Mit einer Unverträglichkeit wird man nicht ernst genommen.“

Bunt, groß und schrill sind sie gewöhnlich, die rollenden Küchen der Gastro-Szene. Der Food Truck, den Isabella Hener die „Intolerante Isi“ getauft hat, wirkt dagegen fast vernünftig. Klein, fuchsiafarben, ohne viel Chichi. Der Name soll zum Nachdenken anregen, denn bei Isi geht es um ein ernstes Thema: beschwerdefreien Genuss für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten. Isabella selbst ist auch betroffen und war genervt von fehlendem Angebot und der Unwissenheit im Gastro-Bereich gegenüber Menschen mit Unverträglichkeiten: „Mit einer Unverträglichkeit wird man oft nicht ernst genommen.“ Daher rollt seit August 2014 Isabellas Start-Up durch München. Finanziert hat sie es zum Teil durch Crowdfunding.

Eine Mitarbeiterinnen-Clique von Sony Music rückt an. Kurz studieren sie die kleine, aber feine Auswahl in blau-weißer Kreideschrift auf der Holztafel. Keine fancy Namen – was draufsteht, bekommt man auch: Herzhafte oder süße Buchweizenwaffeln, Süßkartoffelcurry und Chili sin Carne mit Quinoa. „Was ist denn groß und was klein“? Typische Frauenfrage. Isi hält die Bechergrößen hoch. „Och ja, dann nehm‘ ich groß.“ Isi befüllt die Becher, extra Chilipulver nach Gusto, dann ab durch die kleine Bedientheke. Holzgabel oder -löffel rein, fertig.

Der Damentrupp schlendert unter den Ahornbäumen hindurch zu den Holzbänken im neuen, schick angelegten Teil des Innenhofes. Mannshohe Gräser, hier und da ein Büschel Klatschmohn. Sogar einen Pool im Natur-Look gibt es. Mehr Grün geht nicht. Im Becher und draußen.

Isabella kocht morgens in einer angemieteten Gastro-Küche – im Food Truck selbst ist dafür kein Platz. Natürlich alles glutenfrei, lactosefrei und fructosearm. Musik in den Ohren aller Intoleranten. Isis Konzept ist ganzheitlich angelegt: Kochen mit „hochwertigen, regionalen Zutaten ohne irgendwelchen Mist drin“.

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Die intolerante Isi

  • Warme Gerichte
  • Gebäck
  • laktosefrei
  • glutenfrei
  • fruktosearm

Öffnungszeiten & Standorte:

Mittwoch:
Claudius-Keller-Straße 7, 81669 München
(MD.H München)
11.45 – 14.00 Uhr

Donnerstag:
Lochhamer Schlag 12, 82166 Gräfelfing
(Frusano)
11.45 – 14.00 Uhr

Freitag:
Mies-van-der-Rohe Str. 8, 80807 München
(High Light Towers)
11.45 – 14.00 Uhr

http://www.die-intolerante-isi.de/

MD.H München

Mittwoch, 11.45 – 14.00 Uhr

Frusano

Donnerstag, 11.45 – 14.00 Uhr

High Light Towers

Freitag, 11.45 – 14.00 Uhr

Food Trucks sind keine Restaurants, daher kommt manchmal etwas dazwischen, sei es das Wetter oder ein technischer Defekt am Auto. Die angegebenen Standorte und Zeiten sind daher ohne Gewähr. Über Änderungen informieren die Trucks auf ihren jeweiligen Homepages und Facebook-Seiten. Einen bundesweiten Überblick liefert außerdem http://www.foodtrucks-deutschland.de/ samt zugehöriger Mobile-App.

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Menschen mit Laktoseintoleranz*

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Menschen mit Fructoseintoleranz*

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Menschen mit Histamin- oder Glutenintoleranz*

* geschätzter Anteil an der deutschen Gesamtbevölkerung 2014, Quelle: Statista

Zu der Gruppe der Sony-Damen hat sich ein abtrünniger Kollege gesellt, der etwas verschämt in sein Bäcker-Teilchen beißt, das in einer knautschigen Papiertüte steckt: „Heute gibt es bei Isi Süßkartoffeln und die mag ich nicht“. Den anderen schmeckt’s. Holzlöffel um Holzlöffel wandern Süßkartoffelcurry und Chili in die Münder, bis auf eine Ausnahme sind alle „tolerant“. Ob sie jeden Tag bei Isi essen würden? Uneinigkeit. Doch als eine der Damen von einer Food-Truck-Meile in New York schwärmt, wo vor den Büros zehn oder mehr Trucks stehen, sind alle begeistert. „Individuell, frisch, schnell, gesund und ein bisschen retro“. Das schätzt die Sony-Crew an Isis Food Truck. Der Preis von fünf bis sechs Euro für ein warmes Gericht? Okay für die Qualität, die in den Becher wandert, meinen sie.

Zu individuell darf es aber nicht sein, weiß Isi: „Münchner sind im Vergleich zu Berlinern schwieriger. Wenn die Gerichte zu ausgefallen sind, trauen sie sich nicht ran.“ München könnte also gerne in dieser Hinsicht noch etwas toleranter sein.

Die Freshen

Slim Shaky, Kanye South, Açai Rocky – solche Produktnamen können beim Kunden 50 plus schon mal für Verwirrung sorgen. Dahinter verbergen sich vegane Smoothies und Bowls, frisch zubereitet von zwei Jungs im leuchtend türkisen Food Truck „Rawkus“. Ein älterer Herr steuert den Truck an. Einen Prof. Dre hätte er gerne. Was ihm garantiert entgeht: Alle Produkte sind an Namen von US-Rappern angelehnt. Max Westphal legt los: Messer raus, zack. Gurke, Sellerie, grüner Apfel, er schnippelt alles von Hand. Abwiegen – nur die exakte Mischung macht den Smoothie perfekt. Dann rappelt der Mixer. In den recycelbaren Becher aus Maisstärke ergießt sich ein leuchtend grüner Smoothie, der so gesund ist wie er aussieht. Detox lautet das Stichwort. „Köstlich!“, stellt der ältere Herr nach dem ersten Schluck mit echter Begeisterung fest.

Gesundes Essen ist jedoch für ihren Food Truck nur die halbe Miete, erzählt Philipp Steudle. „Gerade in München ist der Style eines Etablissements extrem wichtig, deswegen haben wir sehr viel Wert auf das Aussehen gelegt, damit zum Beispiel auch die Hipster angesprochen werden.“ Läuft. Allein schon wegen der auffälligen Farbe des ausrangierten Postautos, mit dem sie seit April das Food-Truck-Angebot in München erweitern. Beide hören privat auch viel Hip-Hop, was den Style-Faktor in Form von ausgefallenen Produktnamen erklärt.

Der typische Rawkus-Kunde sei in der Regel weiblich und zwischen 25 und 30 Jahren alt, erklären die Jungs. Wir denken an den älteren Herrn und seinen Prof. Dre von vorhin – naja, Ausnahmen bestätigen die Regel. Dann aber kommen in Gestalt mehrerer junger Frauen im Büro-Outfit doch noch die Prototypen-Kundinnen zur Mittagspause vorbei. Vegan ernähren sie sich alle nicht, sie lassen sich die gesunden Rapper trotzdem auf der Zunge zergehen. Açai (sprich: A-sa-i) ist hier ein echter Renner. Die Beere aus dem Amazonasgebiet ist der Geheimtipp und gerade in aller Munde. Fünf bis sechs Euro für die Gerichte sind nach Ansicht der Damen gut investiert: „Für frisches Obst und Gemüse gibt man das schon mal aus“. Außerdem stecken ja auch noch andere Superfoods wie Quinoa oder Goji-Beeren im Rawkus-Essen.

„Imbiss ist das abfällige Wort für einen veganen Food Truck.“

Schließlich versteht sich Rawkus auch nicht als billiger Imbiss. Damit verbinde man ungesundes Fast Food – davon grenzen sich die beiden entschieden ab. Wenn er das Wort „Imbiss“ hört, dann geht Philipp sprichwörtlich der Hut hoch – in seinem Fall ist es wohl eher die Mütze. Ein Imbiss ist für ihn „das abfällige Wort für einen veganen Food Truck.“ Daher steht der Rawkus-Truck auch nicht auf dem Parkplatz eines Baumarkts, sondern an „fancy Locations“ (O-Ton Philipp) wie der Akademie der bildenden Künste.

Anglizismen sind Teil des Gesamtkonzepts: Ihren Food Truck haben Philipp und Max nach einem Hip-Hop-Label aus den USA benannt. Außerdem bedeutet „rawkus“ im US-Slang so viel wie „geil, Bombe, beste, fett“. Und dann steckt da ja auch noch „raw“ im Namen – voll fresh!

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Rawkus

  • Smoothies
  • Bowls (süß & herzhaft)
  • vegan
  • Superfoods

Öffnungszeiten & Standorte:

Montag:
Erika-Mann Str. 62, 80636 München
(Innenhof Check 24)
11.30 – 14.00 Uhr

Dienstag/Mittwoch/Donnerstag:
Akademiestraße 2-4, 80799 München
(Akademie der bildenden Künste)
12.00 – 14.00 Uhr

Freitag:
Rosenheimer Str. 14, 81667 München
(Rosenheimer Platz – Hof Deloitte)
9.00 – 14.00 Uhr

Innenhof Check 24

Montag, 11.30 – 14.00 Uhr

Akademie der bildenden Künste

Dienstag – Donnerstag, 12.00 – 14.00 Uhr

Rosenheimer Platz - Hof Deloitte

Freitag, 9.00 – 14.00 Uhr

Food Trucks sind keine Restaurants, daher kommt manchmal etwas dazwischen, sei es das Wetter oder ein technischer Defekt am Auto. Die angegebenen Standorte und Zeiten sind daher ohne Gewähr. Über Änderungen informieren die Trucks auf ihren jeweiligen Homepages und Facebook-Seiten. Einen bundesweiten Überblick liefert außerdem http://www.foodtrucks-deutschland.de/ samt zugehöriger Mobile-App.

Die Steinzeitliche

„Einmal für Claus mit C! – Danke für deine Bestellung, sagst du mir noch kurz deinen Namen?“ Nein, wir befinden uns nicht in der ersten Food-Truck-Starbucks-Filiale der Welt. Überall bruzzelt, zischt und raucht es, der Grill läuft auf Hochtouren. „Episch“ nennt Melina Leher die Menschenschlangen vor ihrem Truck „The Cave“. Unter ihren Schirmen trotzen die Menschen dem Regen – den umkämpften Platz in der Schlange gibt man nicht auf. So ein Hochbetrieb wie auf dem ersten Food-Truck-Festival in Fürstenfeldbruck herrscht nicht im normalen Mittagsgeschäft. Mel muss es wissen, schließlich ist sie schon seit eineinhalb Jahren im Business. Sie bietet ihren Kunden „Primal Soul Food“, passend dazu ziert ein Mammut den schwarzen Food Truck.

Primal-Ernährung ist abzugrenzen von der so genannten Paleo-Ernährung, die seit einiger Zeit zum Food-Trend aufgeschwungen hat. Letztere verfolgt den Ansatz, dass eine möglichst ursprüngliche Ernährung am besten für den menschlichen Stoffwechsel ist: Fleisch und Fisch, Eier, Nüsse und Obst und Gemüse standen schon bei den Höhlenmenschen auf dem Speiseplan. Der Paleoaner verzichtet hingegen auf die meisten verarbeiteten Lebensmittel, die erst nach der Einführung von Ackerbau und Viehzucht verfügbar waren, wie z.B. Getreide, Zucker, Hülsenfrüchte oder Milchprodukte. Die Primal-Ernährung ist weniker „strikt“ und erlaubt zusätzlich beispielsweise Milchprodukte.

In ihrer Food-Höhle „Manni“, benannt nach dem Mammut aus „Ice Age“, frittiert sie Süßkartoffeln, dazu gibt es in Streifen geschnittenes, rosa gebratenes Beef, Pulled Pork oder Halloumi, verschiedene Saucen und Salat – die „Cave-Box“. Perfekt zum Essen mit den Händen – „wie die Steinzeitmenschen“, merkt ein Gast lachend an und leckt sich die Finger, um sie von der Barbecue-Sauce zu befreien. Dass er für das steinzeitliche Essen fast acht Euro bezahlt – okay.

Mels Kundschaft ist bunt gemischt. Die Fleisch-und-Fritten-Kombo lockt tendenziell eher Männer an – die neuen Fred Feuersteins? „Die Paleo-Esser kommen gezielt zu mir, aber das sind höchstens fünf Prozent meiner Kunden. Der Rest kommt einfach, weil es ihnen schmeckt.“ Aus der Nische in den Mainstream. Und die Paleo-Ideologie? „Am Anfang wollte ich die Leute missionieren und zu einer Paleo- oder zumindest gesunden Ernährung bewegen. Aber am Ende des Tages muss ich meine Rechnungen bezahlen“.

„In meinem Truck sieht es aus wie nach ’nem Krieg.“

Früher, als sie noch ihren Sport Crossfit intensiv betrieben hat, war Paleo ein großes Thema für sie – weil ein Großteil der Crossfit-Szene sich so ernährt. Inzwischen sieht sie das nicht mehr so strikt. Um gut zu verkaufen, dürfen die Gerichte nicht zu abgefahren sein. Mel ist pragmatisch und nicht auf den Mund gefallen: „Man kann es sich aussuchen: verdiene ich Geld oder sterbe ich in Schönheit?“

Süßkartoffelstampf mit Lamm und Schoko-Chili-Soße, das funktioniere auf Dauer einfach nicht. Deswegen hat Mel ihr Angebot den Kunden angepasst. Jetzt wird im Tagesgeschäft nur noch gegrillt und frittiert – große Schweinerei inbegriffen, vor allem an epischen Tagen wie heute: „In meinem Truck sieht es aus wie nach’m Krieg“. „Manni“ wird jedoch überleben – im Gegensatz zu seinen Mammut-Vorfahren.

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The Cave

  • warme Gerichte
  • Desserts
  • Primal
  • regional

Öffnungszeiten & Standorte:

Mittwoch:
Agnes-Pockels-Bogen 1, 80992 München
(Stadtwerke München)
11.45- 14.00 Uhr

Donnerstag:
Einsteinring 28, 85609 Aschheim
(Laurèl)
11.45 – 14.00 Uhr

Stadtwerke München

Mittwoch, 11.45 – 14.00 Uhr

Laurèl

Donnerstag, 11.45 – 14.00 Uhr

Food Trucks sind keine Restaurants, daher kommt manchmal etwas dazwischen, sei es das Wetter oder ein technischer Defekt am Auto. Die angegebenen Standorte und Zeiten sind daher ohne Gewähr. Über Änderungen informieren die Trucks auf ihren jeweiligen Homepages und Facebook-Seiten. Einen bundesweiten Überblick liefert außerdem http://www.foodtrucks-deutschland.de/ samt zugehöriger Mobile-App.

„Die Qualität in einem Food Truck ist nicht mit dem gleichzusetzen, was ein Normalsterblicher im Kopf hat, wenn er an einen Imbiss denkt.“
– Melina, The Cave

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