Born to Bingo

Von Dominik Laska

Times Square. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Es tummeln sich tausende Menschen. Gänsemarsch. Schneller geht es nicht. Hier sind zwei als Freiheitsstatue verkleidet, dort stehen Superhelden wie Spiderman oder Iron Man.

Sie bieten sich als Fotomotive an. Verlangen dafür von staunenden Touristen einige Dollar. Einer der beliebtesten Orte in ganz Manhattan. Aber auch stressig. Schnell vergeht die Lust bei all dem Gedränge und Geschubste.

Also Ausgleich schaffen. Später am Abend. Zu dritt sitzen wir in der Bar Tortilla Flat. Laute Musik, die Bar wird von einem riesigen Bottich Margarithas flankiert. Es dröhnt laute Musik aus den Boxen. Hört sich das nach Ausgleich an? Wahrlich nicht. Der Ausgleich heißt: Bingo. Richtig gehört. Bingo in the Bar.

„You wanna play Bingo?“

Wir steuern einen Tisch an. Am Nebenplatz sitzt der Spielleiter. John ist wuchtig, trägt sein Basecap falsch herum. Kurze Hosen lassen seine mächtigen Waden hervorblitzen. Er trägt Ringelsocken und abgewetzte Schuhe mit Muster. „You wanna play Bingo?“ Natürlich. Dafür sind wir hergekommen.

Er händigt uns drei verschlissene Bingokarten aus. Nach ein paar Minuten greift John zum Mikrofon. Er präsentiert die Preise. Ein T-Shirt mit Aufdruck: Big Bingo Winner. Halstuch, Schlüsselband und eine Dose Bier vervollständigen den Preispool.

John setzt sich auf seinen Stuhl. Vor ihm fünf Kartenstapel. Die Regeln: Drei parallele Reihen sind das Ziel. Der Erste, der das hat, schreit Bingo. Klingt einfach. Ist es auch. Und wie ein Auktionator fängt John an sein Mikro zu bearbeiten. Er hätte auch Marktschreier werden können, denke ich. B-8, I-22, N-33, G-41, O-37. Die Zahlen purzeln wie aus der Pistole geschossen aus seinem Mund. Konzentration ist angesagt, um nichts zu verpassen.

Der Sieg ist nah

So geht das die nächsten Minuten weiter. Auf der Karte werden die Zahlen immer weniger. Bis jetzt hat noch niemand Bingo gerufen. Und dann fehlt noch eine Zahl. John zieht vom Stapel. Sein Mund öffnet sich. B13. Ich schaue auf meine Karte. Fünf Sekunden verstreichen, erst dann realisiere ich, dass ich tatsächlich gewonnen habe. „B-I-N-G-O“, rufe ich.

Ich muss die Karte abgeben. John will kontrollieren. Nach einer Minute: „We have a winner“. T-Shirt, Halstuch, Schlüsselband und die Dose Bier wandern auf unseren Tisch. „And a round of Tequila for this table“, ruft John Richtung Bar.

Der Stress vom Times Square ist schnell vergessen. Das Fazit des Abends: Born to Bingo.

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