Von 36 € bis 5.841 € pro Nacht – Airbnb in München

Was Nachbarn, Hotellerie und Gastgeber über den Übernachtungsdienst denken

Von Jennifer Bretz

Angst bei Hotellerie und Wohnungssuchenden, Freude bei Weltenbummlern und Gastgebern? Das Reisen mit Airbnb ist gerade voll im Trend, steht jedoch bei einigen auch stark in der Kritik. Was denken Münchner Gastgeber, Hoteliers, Nachbarn, und die Stadt über den Airbnb-Hype wirklich?

München steht deutschlandweit an der Spitze der beliebtesten Ziele für internationale Besucher. Besonders zum Oktoberfest boomt der Tourismus. Dann logieren 65 Prozent der jährlichen Gäste in München, wovon wiederum 70 Prozent kommerzielle Unterkünfte nutzen. Das schlägt sich auch in den Übernachtungspreisen nieder. Um Geld zu sparen, weichen immer mehr Besucher auf eine mutmaßlich günstigere Alternative aus. Sie buchen Privatzimmer oder ganze Wohnungen über den Anbieter Airbnb. Um Verlust von Wohnraum für Münchner zu verhindern, hat die Stadt München dem jedoch einen Riegel vorgeschoben. Die kurzzeitige Vermietung ganzer Wohnungen über Airbnb verstößt gegen die Zweckentfremdungssatzung der Stadt München und wird mit bis zu 50.000 € bestraft. Es sei denn, man hat eine Genehmigung. Das Vermieten von einzelnen Zimmern hingegen ist erlaubt, wenn es sich um weniger als 50 Prozent der Wohnfläche handelt. Dem Wohnungsmarkt wird in diesem Fall nichts entzogen, vielmehr schränkt sich der Wohnende selbst ein. Ob mit oder ohne Genehmigung – weiterhin werden auf dem Portal derzeit 306 Wohnungen und Zimmer angeboten. Und das nicht immer sehr günstig.

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der Gäste schlafen nicht im Hotel

Über 5.000 € für eine Nacht mit Airbnb

5.841 Euro für eine Nacht im Stadtteil Altstadt-Lehel – so viel kostet die teuerste auf Airbnb angebotene Unterkunft an einem Wochenende in München. Wer steckt hinter so einem für viele irrwitzig klingendem Inserat?

Der Gastgeber, der sich bei seinem Inserat immer vorstellt, ist in diesem Fall ein Mann namens „Office“. Auf dem hochgeladenen Bild sieht man einen elegant gekleideten Herrn in den Dreißigern mit Krawatte und Anzug. Klickt man sich weiter durch sein Profilwird ersichtlich, dass er seit 2012 Mitglied bei Airbnb ist. Seinen Account hat er mit Lichtbildausweis, Emailadresse und Telefonnummer verifiziert. Neben dem Bild steht der Begriff „Immobilienmanagement“.

Für die 5.841 Euro Unterkunft bekam der Anbieter der Luxusunterkunft „in Bestlage“ auch schon ein paar Bewertungen und kam dabei meist nicht sehr gut weg: Bemängelt wurde beispielsweise, dass der Gastgeber die Buchung rund drei Wochen vor Reiseantritt storniert habe. Ein weiterer Gast beschrieb den host als „rude and not helpful“.
Das Auffällige an dem Inserat ist, dass sich der Wochenendpreis in Höhe von 4.900 Euro zuzüglich Reinigungs- und Servicegebühr drastisch vom Wochenpreis mit 486 Euro pro Nacht unterscheidet. „Office“ bietet auf Airbnb außerdem noch drei weitere Wohnungen in Münchens Toplagen an. Steckt hier ein professioneller Immobilienbetrieb dahinter? Auf eine schriftliche Nachfrage hat „Office“ nicht reagiert.

Luxusappartement vs. Privatzimmer bei Ernst

Auf der einen Seite gibt es Anbieter wie „Office“, auf der anderen Seite Gastgeber wie „Ernst“. Für 36 Euro die Nacht kann man sich in ein Zimmer der Wohnung des Münchners einmieten. Ebenfalls über Airbnb. Der Preis bleibt gleich, egal ob man alleine oder zu zweit kommt.

Ernst ist 66 Jahre alt und wird im Januar bereits 20 Jahre in seiner Mietswohnung in Haidhausen wohnen. Seit März dieses Jahres ist er in Rente. Deshalb hat er angefangen, ein Zimmer in seiner Wohnung an Gäste aus aller Welt zu vermieten. Seine Motivation: „In erster Linie, weil ich jetzt Zeit habe und den Kontakt zu Menschen liebe. Natürlich spielt der finanzielle Aspekt auch eine Rolle, jedoch nicht vordergründig.“ Die ersten Mieter blieben dann auch gleich einen ganzen Monat lang. Ein Pärchen aus Italien, die in München Arbeit bekommen hatten und vor Ort eine Wohnung suchen wollten.

„Ernst war der netteste Gastgeber den ich je hatte. Er kümmert sich liebevoll um einen, hat unzählige Infos auf Lager und ist ein sehr geselliger Zeitgenosse. Bei ihm fügt man sich einfach nur wohl. Auf jeden Fall weiter zu empfehlen.“

Seitdem hat Ernst rund 55 Menschen in seiner Wohnung beherbergt. Vor Anfragen kann er sich mittlerweile kaum mehr retten. „Je mehr positive Kritiken man bekommt, umso mehr rufen auch an. Wenn man gut bewertet wird, entsteht da auch ein gewisser Ehrgeiz.“ Mit seinen Gästen war er bisher immer sehr zufrieden, bis auf ein Mal. „Da haben die Leute hier gekocht und danach einfach alles stehen gelassen.“
Der 66-Jährige hat sich bei seinem Vermieter vorab die Erlaubnis eingeholt, das Zimmer unter zu vermieten. „Ich habe mich zudem abgesichert und ein Kleingewerbe angemeldet.“

„Super Gastgeber, sehr freundlich und hilfsbereit! Offene und herzliche Art, nur zu empfehlen!“

Auf die Frage, ob er bei den Anfragen auswähle, hat der Rentner eine einfache Antwort: „Ich schaue nur, dass sie verifiziert sind.“ Die Vorwürfe, dass Airbnb eine Konkurrenz für das Hotelgewerbe ist, sieht er gelassen. „Ich sehe mich nicht als Konkurrenz für Hotels. Das ist einfach ein Zusatzangebot. Ausschlaggebend ist hier das Private.“

Ernst W. vermietet seit knapp einem Jahr ein Zimmer seiner Wohnung in München über Airbnb an Gäste

Übernachtungen in München im Jahr 2015

Leidet die Hotellerie unter Airbnb?

Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes behauptet, dass der Durchschnittszimmerpreis bei Airbnb über dem durchschnittlichen Hotelzimmerpreis in der Landeshauptstadt liege. Auf die Frage, ob bei den Buchungen ein Rückgang als Folge der privaten Wohnungsvermietung zu verzeichnen sei, entgegnet er: „Zahlen oder etwaige Rückgänge kann man nie einem bestimmten Faktor zuordnen. Tatsache ist aber schon, dass die Hotellerie es spürt. Die Übernachtungen in München haben dennoch von Jahr zu Jahr zugenommen.“ Man sehe Airbnb jedoch nicht als Konkurrenz, es sei vielmehr ein Mitanbieter. „Die Hotellerie könnte sich Airbnb als weiteren Vertriebskanal vorstellen, wenn sie die gleichen Auflagen erfüllen würden. Nicht alle halten sich an die für die Hotellerie geltenden Auflagen wie Brandschutz, Fluchtwege etc.“ Das sei laut John dann unfairer Wettbewerb und deshalb müsse man dagegen sein.

Ob wegen Airbnb bereits Pensionen oder Hotels schließen mussten, könne er nicht genau sagen, er sei sich aber ziemlich sicher: Nein. „Wenn ein Betrieb schließen musste, waren dafür wahrscheinlich andere Faktoren ausschlaggebend.“ Die größten Ängste sieht John eher auf Seiten der Stadt, da bezahlbarer Wohnraum sehr umkämpft sei. Man höre auch, dass das Kurzzeitvermieten von Wohnraum häufig zu Problemen mit Mitbewohnern führe.

Nachbar: „Ich finde das blöd, das ist meine Privatsphäre“

Was denken also Nachbarn darüber, wenn eine Wohnung in ihrem Haus plötzlich Gästen zur Verfügung gestellt wird? Der Schwabinger Karriereberater Sascha Schmidt hat dazu eine klare Meinung: „Grundsätzlich habe ich Bauchgrummeln. Ich finde es blöd, das ist meine Privatsphäre, und jetzt habe ich immer andere Leute gegenüber.“ Schmidt bewohnt mit seiner Frau eine Erdgeschosswohnung in Schwabing. Die Wohnung mit der Terrasse ihm gegenüber vermietet seine Nachbarin über Airbnb an Touristen. Die Flugbegleiterin erhielt von der Stadt München die Genehmigung, ihre Wohnung kurzzeitig zu vermieten. Sie konnte nachweisen, dass sie wegen ihres Berufes häufig über mehrere Tage nicht zuhause ist.

Schmidt: „Die Nachbarin hat das von Anfang an offen mit allen Mitbewohnern kommuniziert und geht sehr behutsam vor. Sie selektiert ihre Gäste auch klar zum Schutz der Anwohner.“ Negativerfahrungen musste Schmidt dennoch machen. Ein paar Mal sei es ein bisschen laut gewesen, sagt er. Oder die Gäste liefen über seine Terrasse. „Man hat auch nichts Stetiges. Bei seinen Dauernachbarn weiß man, wer da neben einem wohnt, und kann sich auf die Personen einstellen. Das geht bei stetigem Wechsel natürlich nicht. Ich empfinde es als unschön.“

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Zahlen und Fakten für München

  • Durchschnittlicher Preis pro Übernachtung: 141 Euro (Stand Oktober 2016)
  • 69.000 Hotelbetten in 413 Hotels
  • 20 neue Hotels bis 2019 geplant
  • 14,1 Millionen Übernachtungen in 2015
  • Seit 13 Jahren kontinuierlicher Zuwachs im Tourismus

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